Malta zahlt 25.000 euro, damit junge leute ihren führerschein abgeben
Die ersten 100 Plätze sind weg, bevor die Sonne über Valletta untergeht. Seit Januar 2026 lässt Malta seine Autos los – und bezahlt dafür. 25.000 Euro kassiert, wer freiwillig fünf Jahre aufs Lenkrad verzichtet. Die Regierung nennt es „Mobilitätswende“, die Betroffenen nennen es „Lebensversicherung“.
So funktioniert der deal
Kein Kindergeld, kein Wohngeld – nur Schweigegeld. Die 25.000 Euro fließen in fünf Jahresraten à 5.000 Euro. Die erste Rate gibt’s sofort, wenn der Antragsteller seine Klasse-B-Papiere bei Transport Malta abliefert. Danach herrscht Funkstille: kein Auto, kein Motorroller, nicht mal ein Mietwagen auf Sizilien. Wer trotzdem fährt, zahlt 5.000 Euro Strafe plus Rückzahlung der Restsumme. Der Straßenverkehrsgesetz-Paragraph wartet bereits.
Bewerben dürfen sich nur Unter-31-Jährige, mindestens sieben Jahre auf der Insel gemeldet, zwölf Monate unfallfrei unterwegs. Berufskraftfahrer, Diplomaten und Parlamentarier sind automatisch raus. Nach Ablauf der Sperre winken 15 Pflichtstunden Fahrunterricht – als wäre man wieder 17.
Warum malta plötzlich autos hasst
Die Zahlen sind ein Schlag ins Gesicht: 457.000 Autos auf 317 Quadratkilometer Fels. Das sind 1.442 Fahrzeuge pro km² – mehr Dichte als auf jeder deutschen Autobahn. Dazu kommen jährlich 11.000 Neuzulassungen, weil die Bevölkerung binnen zehn Jahren von 440.000 auf 550.000 geschnellt ist. Die Luftverschmutzung übersteigt EU-Grenzwerte an 180 Tagen im Jahr; Staus sind auf der Hauptinsel Alltag, Parkplätze werden auf Facebook wie Börse gehandelt.
Die kostenlosen Busse seit 2022 halfen kaum. Also setzt Premierminister Robert Abela auf radikale Kurskorrektur: „Wir wollen nicht die nächste Nicosia im Mittelmeer werden“, sagte er im März im Parlament. Der Haushalt für das Programm: 5 Millionen Euro – bei 100 bereits gesicherten Teilnehmern ist die Hälfte weg.

Was die insel jetzt spart
Jeder eingesparte Pkw bedeutet laut Umweltbundesamt 2,3 Tonnen CO₂ weniger pro Jahr. Macht 230 Tonnen für die erste Kohorte – gleich 14.300 Bäume, die man nicht pflanzen muss. Dazu kommen 1.200 Stunden weniger Stau pro Tag, gerechnet auf den Schnitt der Hauptverkehrszeit. Die ÖPNV-Karte der Malteser verzeichnet seit Januar 17 % mehr Validierungen; E-Scooter-Verleihfirmen melden ein Plus von 40 %.
Kritiker mahnen, das Programm bleibe ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wir reden von 100 Leuten, nicht von 10.000“, sagt Verkehrsökonom Marco Bonnici von der University of Malta. „Solange der Sprit billiger ist als der Busfahrschein in London, wird das Auto König bleiben.“ Doch die Regierung arbeitet bereits an der zweiten Stufe: Firmenwagen sollen künftig dreimal so hohe Parkgebühren zahlen, und wer allein im SUV zur Arbeit rollt, muss mit 10 Euro Maut pro Tag rechnen.
Die nächsten 100 Anträge werden Ende April freigegeben. Die Liste ist schon jetzt doppelt überbucht. Auf Malta hat man erkannt: Wer Freiheit will, muss sie sich leisten können – oder eben verkaufen.
