Mainz löscht bremen, schreibt geschichte und sieht europa
Ein Kopfball von einem 1,69-Meter-Mann, ein Trippel-Tor und ein Debütant, der fast noch den Deckel drückt – Mainz 05 schlägt Werder Bremen 2:0, rutscht an den Grün-Weißen vorbei auf Rang 14 und darf am Donnerstag gegen Sigma Olmütz das erste Viertelfinale der Klubgeschichte planen.
Becker schlägt bittencourt – und bremen kassiert die kalte dusche
Die Partie war noch keine Minute alt, da stand Paul Nebel schon in Luft. Leonardo Bittencourt traf ans Querholz, doch der 22-jährige Mainzer zeigte, wie man aus sechs Metern einköpft, ohne dass ein Bremer Haar an ihm rührt. Das frühe 1:0 war kein Schock, es war ein K.o. – und zugleich die Lizenz zum Kontern. Denn Mainz, das zwischen Abstiegsangst und Europacoup-Trance tanzte, verlegte sich nach dem Führungstor aufs Zerstören. Ball länger im eigenen Drittel als nötig? Egal. Hauptsache, der weiße Kreidefleck auf der Torlinie bleibt sauber.
Bremen wirkte wie nach einer durchzechten Nacht. Niklas Stark und Senne Lynen fehlten kurzfristig, die Lücken im Mittelfeld klafften wie Tore in einer alten Stadtmauer. Thioune wechselte, schimpfte, wedelte – doch seine Elf fand kein Mittel gegen die Mainzer Blockade. Justin Njinmah jagte den Ball noch einmal an den Außenpfosten (64.), doch das war’s dann auch schon. Die Hanseaten rutschen auf Platz 15, nur einen Punkt vor dem Relegationsgrab, während Mainz zwei Zähler Luft nach unten hat.

Historie in sicht: olmütz wartet, mainz atmet
Der zweite Treffer kam, wie er kommen musste: Sheraldo Becker legte quer, Jae Sung Lee stolperte den Ball über die Linie – 2:0, die Vorentscheidung. Die Bremer Fans verstummten, die Mainzer Bank explodierte. Denn mit diesem Sieg verschafft sich der FSV nicht nur Raum im Keller, sondern auch Selbstvertrauen für den Europa-League-Kracher. Am Donnerstag um 18.45 Uhr im Mewa-Forum: Sigma Olmütz, ein Viertelfinale, ein Stück Vereinsgeschichte. Wer hätte gedacht, dass der Abstiegskandidat plötzlich auch der europäische Glücksgriff ist?
Salim Musah, gerade 18, durfte in der 86. Minute noch einmal auflaufen – und fast träfe er mit seinem ersten Bundesliga-Kontakt. Die Uhr zeigte 90+3, als sein Schuss knapp vorbei zischte. Es wäre das 3:0 gewesen, es wurde zum Symbol: Mainz will nicht nur überleben, Mainz will sich neu erfinden. Die Bremer hingegen müssen wieder zittern. Nächste Woche geht’s nach Freiburg, dann kommt Stuttgart – beides direkte Konkurrenten. Der Abstiegskampf ist offen wie nie, und Mainz hat eben bewiesen: Wer zuerst trifft, trifft auch zweimal – und manchmal eben Geschichte.
