Mailand dreht auf: 71.000 euro kopf, aber die preise explodieren

Mailand hat die Olympischen Ringe gerade abgelegt und schon die Modewelt angezogen – doch hinter den glänzenden Fassaden nagt die Inflation. Die Stadt schiebt ihr BIP pro Kopf auf über 71.000 Euro jährlich, doch wer hier wohnt, spürt die Teuerung von 1,3 Prozent täglich im Einkaufskorb.

Die maschine läuft, nur das benzin wird teurer

1,3 Millionen Tickets, 5,3 Milliarden Euro Umsatz – die Winterspiele haben der Lombardei einen Turbo verpasst. Assolombarda rechnet für 2026 mit einem Plus von 1,7 Prozent im Stadt-BIP. Doch das Geld bleibt nicht bei allen hängen. 2.463 Start-ups zählt die Stadt, das ist jede fünfte neue Firma Italiens. Die neue Elite feiert sich in Navigli und Porta Nuova, während am Stadtrand Mieten und Lebensmittelpreise um die fünf-Prozent-Marke kratzen.

Die Fashion Week jagt die Spiele: 162 Shows, 132.000 Zusatzbesucher, Hotels ausverkauft. Dann kommt der Salone del Mobile, im Sommer das Pride-Fest, im Herbst die Music Week – ein Dauer-Event, das die Kassen klingeln lässt und die Taschen der Bewohner leert. Ein Großevent folgt auf das nächste, als hätte die Stadt einen unendlichen Vorrat an Energie.

Der derby teilt die stadt – und die rechnung

Der derby teilt die stadt – und die rechnung

Am Sonntag steigt Milan gegen Inter, und wieder teilt sich Mailand in Rot und Schwarz. Die Rivalität ist so alt wie der Panettone, nur dass heute die Tickets für die Curva über 200 Euro kosten, das doppelte von vor fünf Jahren. Die Stadien sind voll, die Bars ebenso, doch die Rechnung zahlen jene, die nicht ins Stadion passen: Ein Durchschnittshaushalt gibt laut ISTAT 640 Euro mehr pro Jahr für Freizeit aus als 2022.

Die Statistik kennt kein Pardon: Eine Millionärin oder ein Millionär auf zwölf Einwohner, 314.726 aktive Betriebe in der Provinz – aber die Preise für Brot, Tickets und Mieten steigen schneller als die Löhne. Die Stadt produziert Wohlstand, doch viele spüren nur die kalte Seite der Medaille.

Leonardos „Zeitmesser“ tickt wieder auf der Scala-Platz, ein Symbol für eine Stadt, die sich selbst als Uhrwerk sieht. Die Frage ist nur, ob das Räderwerk irgendwann ohne Schmiere läuft. Die Antwort steht schwarz auf weiß im Assolombarda-Papier: 9,7 Millionen Touristen 2024, plus 6,5 Prozent. Mehr Gäste, mehr Umsatz, mehr Druck. Mailand gewinnt – aber nicht jeder, der hier lebt, gewinnt mit.