Maier verspielt kristallkugel: 175 punkte auftrieb in zwei tagen
Ein fünfter Rang, ein Seufzer, ein Hauch von Olympia-Atmosphäre – und trotzdem ist Daniela Maier am Kanada-Wochenende tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Die Badenerin fuhr in Craigleith erneut nur das kleine Finale, kassierte 45 Punkte, büßte aber genau dort, wo sie zulegen müsste. Zwischen ihr und der Kristallkugel klaffen jetzt 175 Punkte – zwei Weltcup-Rennen vor Schluss.
Statt angriff nur verwaltung
Die Rechnung ist gnadenhaft klar: Sandra Näslund gewinnt das große Finale, streicht 100 Punkte ein, fährt nach Hause und lacht sich eins. Maier landet im kleinen Finale, schlägt sich mit Smith und Näslund herum, kommt nicht vorbei. 30 Jahre alt, ein Olympia-Gold in der Tasche, aber der Gesamtscup rutselt durch die Finger wie Pulverschnee im April. „Wir haben alles probiert“, sagte DSV-Coach Thomas Knoll, „aber Sandra ist momentan einfach die Maß aller Dinge.“
Hinter der Schweizer Anlage von Craigleith zieht Nebel auf, und mit ihm die Erkenntnis: Es wird ein Krimi bis Gällivare. In zwei Tagen muss Maier in Schweden nicht nur gewinnen, sie muss Näslund mindestens zweimal schlagen – und dann noch auf Schlechtleistungen der Schwedin hoffen. Statistiker geben ihr 12 Prozent Titelchance. Das klingt nach Lotto, klingt nach letzter Chance.

Männer-team ohne durchbruch
Während Maier noch rechnet, ist das DSV-Männer-Team schon abgerechnet. Niklas Illig rauschte im Viertelfinale raus, die übrigen Skicrosser schafften nicht mal den Sprung unter die letzten Acht. Kein einzlicher deutscher Läuler im Halbfinale – das war zuletzt 2019 passiert. Sportdirektor Wolfgang Maier (kein Verwandter) kratzte sich nach dem Rennen am Helm: „Wir haben Material, wir haben Athleten, aber wir haben keinen Speed in den Startlöchern.“
Die Stimmung im Lager ist gedämpft. Die Kanadier feiern ihr Heimspiel, die Schweizer jubeln über Smiths Podestplatz, und die Deutschen? Packen schon die Skier für Gällivare. Dort, nördlich des Polarkreises, wird in einer Woche über Titel und Trost entschieden. Für Maier heißt es: Vollgas oder nichts. Die Kristallkugel ist noch greifbar – aber nur mit einer Hand, die zittert.
Ende März, drei Tage, zwei Rennen, eine letzte Fahrt. Wer zuletzt lacht, fährt nach Hause – mit 50 000 Franken Prämie und einem Gefühl, das kein Olympia-Gold ersetzt: der Weltcup-Gesamtsieg.
