Maier patzt erneut – näslund enteilt, kugel nur noch rechnerisch

Craigleith ist für Daniela Maier zum Albtraum geworden. Zum zweiten Mal binnen 24 Stunden landet die 29-jährige Oberstdorferin auf Platz fünf, verliert 175 Punkte auf Sandra Näslund und muss sich mit der Tatsache abfinden: Die Kristallkugel rutscht ihr fast schon zwischen den Ski weg.

Der lauf, der keine fortsetztung fand

Im Viertelfinale zeigte Maier noch, warum sie in dieser Saison drei Podestplätze holte. Start, Beschleunigung, Linienwahl – alles stimmte, der Vorsprung auf das Netz war ein halbes Second. Doch im Semifinale schalteten Näslund und die Schweizerin Fanny Smith einen Gang höher, Maier musste in die Relegation. Dort gewann sie zwar souverän, doch der Schaden war besiegelt: Rang fünf, keine Punkte auf die Verfolgerjagd.

Die Rechnung ist gnadenlos. Noch zwei Rennen, 200 Punkte Höchstausbeute. Näslund darf nur 35 Zähler mitnehmen, sonst ist der Cup vor dem Finale in Gällivare gelaufen. Es ist die gleibe Konstellation wie 2024, nur damals lag Maier 120 Punkte zurück und schaffte die Sensation. Jetzt? „Ich brauche ein Wunder und zwei Siegel“, sagte sie dem SID, „mehr gibt es nicht zu sagen.“

Howden feiert, trotz heim-blamage

Howden feiert, trotz heim-blamage

Während die Damen noch rechnen, ist bei den Männern alles klar: Reece Howden sichert sich seine vierte Skicross-Kugel – obwohl er vor heimischem Publikum beide Male im Viertelfinale scheitert. Der Kanadier verlässt Craigleith als Neunter, schaut aber trotzdem in Richtung Zielbande und weiß: Niemand kann ihn mehr stoppeln. Italiens Federico Tamasoni nutzt die Gunst der Stunde und feiert seinen ersten Weltcup-Sieg vor Kaleb Barnum und Kristofor Mahler.

Beim deutschen Team bleibt nach der Verletzungsmisere nur ein Hoffnungsschimmer: Niklas Illig schafft als einziger DSV-Läufer das Viertelfinale, scheidet dort aber aus. Jonas Bachl-Staudinger rutscht nach einem Achtelfinal-Fehler aus, landet im Schnee statt im Kampf um Edelmetall. Bei den Frauen sorgt Leonie Bachl-Staudinger für den einzigen Adrenalinstoß: Nach einem Crash der Französin Mylene Ballet Baz kollidiert sie mit der am Boden liegenden Konkurrentin, schlittert ins Netz, steht aber auf und fährt weiter. Ballet Baz bleibt liegen, wird später mit Verdacht auf Knöchelbruch abtransportiert.

Gällivare wird zur schicksalswoche

Gällivare wird zur schicksalswoche

Die Saison endet dort, wo sie für Maier 2025 begann: Im schwedischen Gällivare, 250 Kilometer nördlich des Polarkreises. Zwei Rennen, eine Kugel, ein letztes Mal Hoffnung. „Ich fahre nicht für die Statistik“, sagt sie, „ich fahre, weil ich an diesen Sport glaube.“ Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 175 Punkte Rückstand, zwei Siege nötig, ein Sieg Näslunds reicht. Die Realität ist hart, aber nicht unmöglich. In Gällivare wird sich zeigen, ob Daniela Maier zur Comeback-Queen wird – oder ob Craigleith die Episode bleibt, die ihre Saison beendete.