Magic am wiederaufstieg? detroit vor dem aus?
Orlando, Florida – Die Orlando Magic stehen vor dem größten Spiel ihrer Saison. Nach zwei knappen Siegen in der heimischen Amway Arena haben sie nun den Matchball, um als 8-Seed in die nächste Playoff-Runde einzuziehen und Detroit aus den Playoffs zu werfen. Ein Szenario, das kaum jemand vor der Serie für möglich gehalten hätte, könnte sich nun tatsächlich bewahrheiten.

Die pistons im freien fall?
Während die Euphorie nach Spiel 1 in Orlando groß war, wich sie in Spiel 2 schnell der Ernüchterung. Ein verheerender 30:3-Lauf der Pistons ließ die Fans sprachlos zurück. Doch die Magic zeigten Charakter und konterten mit zwei weiteren Heimsiegen. Nun gilt es, den Schwung mitzunehmen und den entscheidenden Sieg in Detroit zu holen. Aber ist Detroit wirklich so kurz vor dem Aus?
Desmond Bane, Topscorer der Magic, mahnte nach Spiel 4 nachdenklich: „Das ist ein Team, das in dieser Saison 60 Spiele gewonnen hat. Sie werden nicht mit der Wimper zucken, wenn es darum geht, drei Spiele in Folge zu gewinnen.“ Und tatsächlich, die Pistons haben in der Regular Season bereits neunmal mindestens drei Spiele am Stück gewonnen. Doch die Playoffs offenbaren nun deutlicher die Schwächen Detroits, insbesondere in der Offensive.
Spacing als Achillesferse: Vor der Serie war klar, dass das Spacing für die Pistons ein Problem darstellen könnte. Die Ausmaße waren jedoch alarmierend. In der Crunchtime von Spiel 4, als Ausar Thompson kurzzeitig zum Ausgleich traf, fehlten der Mannschaft jegliche Ideen. Außer Isaiah Stewarts Layup in den Schlusssekunden gelang es Detroit nicht, weitere Punkte zu erzielen. Die Defense der Magic hat zwar eine starke Leistung gezeigt, doch ein Top-Seed darf sich so leicht ausmanövrieren lassen.
Jalen Duren, der normalerweise eine wichtige Stütze im Rebound ist, blieb weit unter seinen Möglichkeiten und wurde in der Schlussphase sogar auf die Bank befördert. Auf dem Feld standen fünf Spieler, von denen keiner – abgesehen von Cade Cunningham – im Playoff-Basketball als ernsthafte Bedrohung gilt. Tobias Harris, Caris LeVert und Isaiah Stewart konnten in entscheidenden Momenten nicht die nötigen Punkte liefern.
Cunningham unter Druck: Die Magic nutzen die Schwächen Detroits geschickt aus. Sie laden Cunningham ein, Würfe von außen zu nehmen (3/11 in Spiel 4) und nehmen ihm gleichzeitig seine bevorzugte Waffe – den Drive – durch eine kompakte Zone-Defense. J.B. Bickerstaff versuchte, mit LaVert einen zweiten Ballhandler ins Spiel zu bringen, doch ohne Erfolg. Cunningham ist mit durchschnittlich 29,5 Punkten pro Spiel der Dreh- und Angelpunkt der Pistons-Offensive, aber seine 35,9% Usage Rate und die daraus resultierenden 24 Turnover in den letzten drei Spielen zeigen, wie sehr er unter Druck steht. Die Turnover befeuern zudem das Transition Game der Magic, das selbst in der Halbfeld-Offensive zu kämpfen hat.
Jamal Cain – Der unentdeckte Held: Während die Pistons zu kämpfen haben, präsentiert sich Orlando einen unerwarteten Helden in Jamal Cain. Der 27-Jährige, der mit einem Two-Way-Deal in die Saison ging, zeigte das beste Playoff-Spiel seiner Karriere. Seine aggressive Verteidigung gegen Cunningham, seine neun Rebounds (darunter drei offensive) und der krachende Poster-Dunk über Duren begeisterten die Fans. „Seine Fähigkeit, aufs Feld zu gehen und all die kleinen Dinge zu tun, kommt daher, dass er weiß, dass er das nicht als gegeben hinnehmen kann“, lobte sein Coach Jamahl Mosley.
Neben Cain überzeugte auch der Rest des Supporting Cast der Magic. Anthony Black verteidigte bockstark von der Bank, und Goga Bitadze machte den gegnerischen Bigs das Leben unterm Korb schwer. Das gepaart mit einem funktionierenden Star-Trio um Paolo Banchero, Bane und Wagner könnte für Detroit zu viel sein. Die Rebounds sind ein weiterer entscheidender Faktor. Die Duelle unter den Körben erinnern an die intensiven Playoff-Spiele der 80er Jahre. Wer hier die Oberhand gewinnt, gewinnt auch das Spiel. Bisher spricht die Bilanz für Orlando: 45 zu 39 Rebounds in Spiel 1, 42 zu 57 in Spiel 2, 48 zu 42 in Spiel 3 und 52 zu 49 in Spiel 4.
Die Chance zur Revanche für Detroit winkt in der Nacht auf Donnerstag (1 Uhr). Doch die Magic haben bewiesen, dass sie bereit sind, für den Sieg zu kämpfen. Ob die Pistons den Anschluss schaffen können, bleibt abzuwarten. Die Geschichte wird es zeigen.
