Magdeburg zerbricht in paris – wiegerts albtraum wird realität
Paris schickt den amtierenden König mit einer blutigen Nase nach Hause. Der SC Magdeburg kassiert in der Halle von PSG Handball eine 26:34-Klatsche, die weh tut – und das hat nichts mit Ranglistenspielerei zu tun.
Die Zahlen sind ein Schlag ins Gesicht: 0:5 nach 150 Sekunden, 12:21 zur Halbzeit, am Ende acht Tore Differenz. Trainer Bennet Wiegert stemmt die Hand gegen die Wand der Mixed Zone. „Wir haben die erste und die zweite Halbzeit verloren, bevor sie begonnen haben“, sagt er mit schwerer Stimme. „So startet man nicht in Paris – und schon gar nicht in Köln, Barcelona oder Kiel.“
Die analyse fällt kurz aus: magdeburg war nicht da
Was die Statistik nicht zeigt: Das kollektive Blackout. Kreisläufer Philipp Weber verpasst zwei Gegenstöße in Folge, Christian O'Sullivan wirft einen Siebenmeter an den Querbalken, Gísli Þorgeir Kristjánsson läuft zweimal ins doppelt gesetzte Mittelblock. Die Franzosen dagegen spielen wie auf Droge: Nedim Remili trifft aus dem Stand, Kamil Syprzak blockt wie ein zweites Tor. 8.012 Fans in der Stade Pierre-de-Coubertin ahnen schon nach acht Minuten, dass dies ein Lehrstück wird.
Die deutsche Fanblase, 1.200 Leute inklusive Trommelgruppe, schreit sich heiser. Ihr Gesang übertönt selbst die PSG-Druckluftsirene, doch die Lautstärke reicht nicht, um die eigene Mannschaft wachzukriegen. „Unsere Anhänger haben mehr investiert als wir auf dem Feld“, sagt Kapitän O'Sullivan nach dem Abpfiff. „Das macht mich fertig.“

Die nächste runde ist sicher – das versprechen nicht
Die Champions-League-Hauptrunde ist längst gebucht, trotzdem wirkt diese Niederlage wie ein Sturz aus zwölf Metern. Drei Tage zuvor hatte Magdeburg in Flensburg bereits eine Lehrstunde erhalten, nun folgt die nächste. Zeit zum Atmen? Fehlanzeige. Am Sonntag wartet der THW Kiel in der Bundesliga, sieben Tage später die Kadetten Schaffhausen – beide Teams, die gestern genau diese Partie gesehen haben.
Wiegert spricht von „Systemfehlern“, die er bis Sonntag reparieren will. Es klingt, als müsste er ein Rücklicht am Formel-1-Wagen flicken, während der Motor bereits auf 12.000 Touren läuft. „Wir müssen uns fragen, ob wir bereit sind, jeden Tag neu zu brennen“, sagt er. „Sonst wird Paris nur der Anfang einer kurzen Titelverteidigung.“
Die Uhr tickt. In 21 Tagen steht das Achtelfinale an. Dort wartet kein Gegner mehr, der gnädig mit Magdeburgs Startschlaf umgeht.
