Magdeburg fliegt fast 11.000 km: ehf schickt hernandez nach buenos aires – wiegert tobt

41:28 gegen Hamburg, Meister-Matchball am 21. Mai – und dann jagt Sergey Hernandez quer durch den Globus. Der SCM-Torhüter soll am 13. und 16. Mai in Buenos Aires für Spanien gegen Israel ran, 11.000 Kilometer Luftlinie von Magdeburg entfernt. „Ich bin nicht super glücklich mit der Nummer“, knurrt Bennet Wiegert und meint damit den Verband, nicht den Spieler.

Warum die partien plötzlich in argentinien stattfinden

Die WM-Quali-Hin- und Rückspiele waren ursprünglich für Europa geplant. Wegen der Sicherheitslage im Nahen Osten einigten sich Spaniens und Israels Verbände jedoch auf einen neutralen Austragungsort – und wählten kurzerhand das Centro Nacional de Alto Rendimiento in der argentinischen Hauptstadt. Die EHF billigte das Konstrukt, verwies aber alle organisatorischen Fragen an die beiden Nationen. Für Wiegert ein Schlag ins Kontor: „Die fliegen in einer Woche durch die halbe Welt – und Sergey ist dabei.“

Der Zeitraum ist brisant. Nach der Rückkehr aus Südamerika bleiben nur fünf Tage, bevor der SCM auf Flensburg trifft – das Spiel, das Magdeburg vor eigenem Publikum vorzeitig die deutsche Meisterschaft bescheren könnte. Dazu kommt das Final4 der Champions League Anfang Juni, für das Wiegert seine Nummer eins in Topform braucht. „Wir reden hier von Jetlag, Reizdarm und erhöhtem Verletzungsrisiko“, sagt ein Club-Physio anonym. „Elf Stunden Zeitverschiebung, zwei Langstreckenflüge, hohe Luftfeuchtigkeit – das raubt Kraft.“

Spanien setzt auf hernandez – klub zahlt die zeche

Spanien setzt auf hernandez – klub zahlt die zeche

Die spanische Nationalmannschaft um Kadernom Jordi Ribera verlässt sich seit Jahren auf Hernandez’ Reflexe. Gegen Israel geht es nicht nur um die WM-Tickets 2027, sondern auch um Seeding-Punkte für künftige Turniere. Ein Verzicht kam für den 30-Jährigen daher nie infrage. „Ich spiele für mein Land, wenn mein Name fällt“, sagte Hernandez nach dem Hamburg-Spiel, ohne die Problematik zu leugnen. „Aber klar, die Belastung ist extrem.“

Der SCM kann nichts blockieren. Laut EHF-Regularium muss der Klub den Spieler für Länderspielfenster freistellen; weder Reisezeit noch Distanz sind gültige Gründe für eine Absage. Magdeburg stattet Hernandez mit Business-Class-Flug, Kompressionsstrümpfen und einem persönlichen Betreuer aus. „Wir tun alles, damit er schnell wieder auf dem Platz steht“, verspricht Manager André Haber. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack: Der deutsche Meister zahlt die physische Rechnung für ein internes Sicherheitskonstrukt, das niemand im europäischen Verband stoppen wollte.

Am 17. Mai landet Hernandez in Berlin, tags darauf Training in der Bördelandhalle. Wiegert wird kaum Zeit haben, die Batterien seines Schlussmannes wieder vollzuladen. Denn wer in Buenos Aires spielt, der kommt nicht mal eben aus dem Flieger und pariert sieben Tage später Flensburgs Rückraum um Gøran Johannessen. Die Uhr tickt – und mit jedem Kilometer Rückflug wächst der Vorsprung der Konkurrenz in der eigenen Fitnessbilanz. Wenn Magdeburg dann trotzdem Meister wird, war diese Südamerika-Posse nur ein Fußnote. Falls nicht, wird die EHF ein übles Nachspiel erleben.