Berlin blockt die wm: kreis setzt auf sechs eisbären und riskiert den großen coup

Harold Kreis schickt die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft mit einem Berliner Sextett in die Schweizer WM-Wüste. Sechs Akteure der Eisbären Berlin hat der Bundestrainer in sein 25-köpfiges Aufgebot berufen – ein Kraftakt, der gleichzeitig Mut und Verzweiflung signalisiert.

Die berliner welle rollt

Torhüter Jonas Stettmer, Verteidiger Kai Wissmann und Eric Mik sowie die Stürmer Andreas Eder, Frederik Tiffels und Manuel Wiederer verlassen den Play-off-Läufer der DEL und schnallen sich für die Titelmission. Für Stettmer, Sinn, Dove-McFalls, Weber und Bokk ist es das erste WM-Ticket überhaupt. Kreis: „Wir haben die Rollenverteilung klar definiert – diese Jungs sollen Temposchübe liefern und gleichzeitig die Struktur halten.“

Die Zahl spricht Bände: fast ein Viertel des Kaders trägt das Bären-Logo. Zum Vergleich: Aus dem gesamten Süden Deutschlands kommen gerade einmal vier Akteure.

Die abwesenheiten schreien lauter

Die abwesenheiten schreien lauter

Während die Hauptstadt jubelt, nagt der Rest am Limit. Ohne Leon Draisaitl, Tim Stützle und John-Jason Peterka fehlt das komplette NHL-Trios der deutschen Offensive. Auch Lukas Reichel und Nico Sturm werden in der Schweiz nicht dabei sein. Moritz Seider reist zwar an, doch nach 97 NHL-Spielen in Detroit fragt sich jeder Scout, wie viele Minuten seine Knie noch zulassen.

13 Spieler aus dem Olympia-Kader von Turin kehren zurück – das klingt nach Kontinuität, ist aber ein Armutszeugnis. Die Verletztenliste liest sich wie ein Who-is-Who des deutschen Eishockeys.

Die gruppe der wahrheit

Die gruppe der wahrheit

Schon am Freitag geht’s los in Zürich. Gastgeber Schweiz, Titelverteidiger USA, Olympiasieger Finnland – und dazwischen Deutschland. „Wir wissen, dass wir Außenseiter sind“, sagt Sportvorstand Christian Künast, „aber genau deshalb haben wir auf Charakter gepocht.“ Die Berliner Sechs kennen sich blind, spielten zusammen 218 DEL-Punkte – mehr als jede andere deutsche Mannschaft in dieser Saison.

Die Botschaft ist klar: Wenn der DEB nicht mit NHL-Stars glänzen kann, dann wenigstens mit einer eingeschworenen Clan-Truppe, die sich gegenseitig aus dem Aus pflückt.

Fazit vor dem ersten bully

Fazit vor dem ersten bully

Die WM beginnt mit einem Experiment. Kreis wettet auf Chemie statt Individualklasse, auf Berlin statt Boston. Scheitert er, war es ein letztes Aufflackern. Gelingt der Coup, schreibt er Geschichte – und der Rest der Liga kann sich warm anziehen.