Mädchenfußball boomt: infrastruktur hinkt hinterher!

Die Begeisterung für Mädchenfußball in Nordrhein-Westfalen ist ungebrochen – doch die Realität sieht düster aus. Während immer mehr junge Spielerinnen das Spielfeld erobern, kämpfen Vereine mit fehlenden Plätzen, ausgebildeten Trainern und einer veralteten Infrastruktur. Ein Wettlauf gegen die Zeit, den es zu gewinnen gilt.

Pokalfinale als schaufenster – und als spiegelbild

Der bevorstehende DFB-Pokalfinale der Frauen in Köln wirft ein Schlaglicht auf die Ambivalenz der Situation. Die U13-Teams des BC Efferen und des ESV Olympia Köln dürfen vor einer riesigen Kulisse im Müngersdorf-Stadion ein Vorrundenspiel bestreiten – ein Moment der Freude und des Stolzes. „Bei uns sind die Papas die Trainer“, sagt Dagmar Engel, die Jugendleiterin des BC Efferen. „Ausgebildete Fachkräfte können wir uns schlichtweg nicht leisten.“

Der Verein verzeichnet einen regelrechten Ansturm auf die Mädchenabteilung: „Im Herbst 2024 waren es allein 50 Mädchen, die bei unserem Probetraining dabei waren. Das war überwältigend!“ Heute umfasst die Mädchenabteilung des BC Efferen fünf Teams, doch die Herausforderungen bleiben bestehen. Es fehlen Gegnerteams, insbesondere im ländlichen Raum, wo es schwierig ist, komplette Mannschaften zusammenzustellen. Die Diskrepanz zwischen wachsender Nachfrage und begrenzten Ressourcen ist offensichtlich.

Der DFB hatte 2021 mit der „Strategie Frauen im Fußball FF27“ eine ambitionierte Zielsetzung formuliert: Bis 2025 sollte die Zahl junger Spielerinnen um 25 Prozent steigen. Die Marke wurde zwar verfehlt, aber der Trend ist unverkennbar. In NRW stieg die Anzahl der Mädchen im Fußballverein von 100.336 im Jahr 2022 auf 122.044 im Jahr 2025 – ein deutlicher Anstieg, der die Notwendigkeit einer Anpassung der Infrastruktur unterstreicht.

Platzmangel und veraltete strukturen

Platzmangel und veraltete strukturen

Benjamin Klotz, Mädchenbeauftragter der DJK Südwest Köln, beklagt den akuten Platzmangel: „Wir quetschen sechs Teams gleichzeitig auf einen Kunstrasenplatz. Das ist absurd!“ Die Vereine sind gezwungen, Kompromisse einzugehen, die oft zu Lasten der Qualität gehen. Das Problem wird noch verschärft durch die veralteten Verbandsstatuten, die es erschweren, gemischte Teams zusammenzustellen. Junge Mädchen fühlen sich schnell überfordert, während ältere Spielerinnen sich unterfordert fühlen. „Die Regeln müssen flexibler werden“, fordert Klotz. „Vereine sollten sich im Vorfeld der Spiele absprechen können, mit welcher Altersstruktur sie antreten.“

Die Finanzierung stellt eine weitere Hürde dar. Die Vereine tragen die Kosten weitgehend selbst. Trainerlizenzen sind teuer, und die Bezuschussung durch den Verband reicht oft nicht aus. Die Investition in die Zukunft des Mädchenfußballs erfordert eine nachhaltige Strategie und eine engere Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Verbänden und Kommunen. Das Pokalfinale in Köln sollte ein Weckruf sein – eine Chance, die Faszination des Mädchenfußballs zu feiern und gleichzeitig die notwendigen Schritte einzuleiten, um die Infrastruktur auf das nächste Level zu heben.

Die Faszination für den Mädchenfußball ist ungebrochen. Doch um das Potenzial voll auszuschöpfen, bedarf es mehr als nur guter Spielerinnen. Es braucht eine solide Basis, die ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Träume zu verwirklichen – auf und neben dem Platz.