Bochum: stadt investiert millionen in ruhrstadion – wird das vfl-comeback gerettet?
Bochum – Die altehrwürdige Spielstätte des VfL Bochum, das Ruhrstadion, steht vor einem umfassenden Umbau. Die Stadt Bochum springt mit satten 90 Millionen Euro in die Tiefe, um die Arena bis 2029 zu modernisieren. Doch während die Fans jubeln, mehren sich die Fragen, ob sich die Investition tatsächlich rechnet und ob der VfL tatsächlich in der Lage sein wird, die gestiegenen Pachtkosten zu tragen.
Sanierung im laufenden betrieb: eine mammutaufgabe
Ab September rollen die Bagger, und das mitten im Spielbetrieb. Eine logistische Meisterleistung, die dem Verein und seinen Fans eine Zerreißprobe werden dürfte. Der Zustand des Stadions ist derart kritisch, dass ohne die Sanierung zukünftig kein Bundesliga-Spiel mehr ausgetragen werden könnte. Ein Großteil der Summe fließt dabei in die bloße Instandhaltung der bestehenden Bausubstanz – Brandschutz und Technik müssen dringend auf den neuesten Stand gebracht werden.
Doch was bedeutet das konkret für den VfL? Zwar werden die Fans künftig von einem erhöhten Komfort und modernen Standards profitieren, beispielsweise durch neue Umkleidekabinen. Allerdings beschränken sich die Neuerungen hauptsächlich auf 2.000 zusätzliche Plätze und einen erweiterten VIP-Bereich. Ein neuer Block mit Sitzplätzen wird in einen Stehblock umgewandelt. Damit erreicht das Stadion eine Kapazität von rund 28.000 Zuschauern – ein Wert, der zwar beeindruckt, aber die aktuelle Nachfrage bei weitem nicht deckt.

Die pachtfrage: ein finanzielles minenfeld
Ein zentraler Knackpunkt ist die Pacht, die der VfL an die Stadt zahlen muss. Diese ist an die Ligazugehörigkeit gekoppelt und wird mit dem Aufstieg in höhere Spielklassen deutlich steigen. Die Stadt rechnet mit einem schnellen Wiederaufstieg des VfL, eine riskante Annahme, wie die jüngsten Zahlen verdeutlichen: Bei einem Abstieg in die dritte Liga wäre eine Amortisation der Baukosten durch die Pachteinnahmen schlichtweg unmöglich.
„Die Vereinbarung mit dem VfL ist klar: Die Miete soll marktgerecht sein“, so Ralf Meyer, Geschäftsführer der Bochumer Sportstätten-Besitzgesellschaft. „Das bedeutet, in der zweiten Liga ist die Pacht niedriger als in der Bundesliga – das ist vertraglich festgelegt.“

Ein ausweg?
Die Frage, die viele Fans beschäftigt, ist, warum nicht gleich von vornherein ein Neubau in Betracht gezogen wurde. Ein Ausbau am bestehenden Standort erwies sich als unpraktikabel, ein vollständiger Neubau an einem anderen Standort wurde hingegen aus Gründen der Tradition und der hohen Kosten verworfen. Die Castroper Straße ist mehr als nur ein Stadion – sie ist ein Stück Bochumer Identität.
VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig blickt dennoch positiv in die Zukunft: „Wir könnten dies sonst nicht stemmen und sind glücklich, dass die Stadt die Investition übernimmt.“ Dennoch warnt er vor schwierigen Zeiten: Die Sanierung wird mit signifikanten Einnahmeverlusten verbunden sein, aber die Hoffnung auf ein modernes, zukunftstaugliches Stadion bleibt bestehen.
Die kommenden drei Jahre werden für den VfL und seine Fans eine Bewährungsprobe. Ob die Investitionen der Stadt sich tatsächlich auszahlen und das Ruhrstadion zu einem Leuchtturm des Bochumer Fußballs wird, wird die Zeit zeigen. Die neue Fassade mag glänzen, doch die finanzielle Stabilität des Vereins muss nun genauso dringend modernisiert werden wie das Stadion selbst.
