Machtmissbrauch und geldsorgen: skandal im deutschen eisschnelllauf
Machtmissbrauch und geldsorgen: skandal im deutschen eisschnelllauf
Eine ARD-Recherche enthüllt gravierende Missstände im Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Bund (DESG). Präsident Matthias Große wird intransparenter Führung und finanziellen Unregelmäßigkeiten beschuldigt, was die Athleten stark belastet und die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina beeinträchtigt. Die Vorwürfe reichen von ausbleibenden Prämienzahlungen bis hin zu fragwürdigen Teilnahmegebühren.
Jahrelanges warten auf prämien
Nach Informationen der ARD müssenEisschnellläufer und Shorttracker teilweise jahrelang auf ihre wohlverdienten Prämien für internationale Erfolge warten. Es geht um hohe vierstellige Beträge, die der DESG zwar vom Weltverband ISU erhält, aber nur zögerlich an die Athleten weiterleitet. Diese finanzielle Unsicherheit stellt eine erhebliche Belastung für die Sportler dar, die sich auf ihr Training und Wettkämpfe konzentrieren müssen.

Teilnahmegebühren: eine ungewöhnliche praxis
Ein besonders brisantes Detail ist die Erhebung von sogenannten „Teilnahmegebühren“ für wichtige Wettkämpfe. Diese Gebühren, die in manchen Fällen bis zu 2.000 Euro pro Athlet betragen können, müssen die Sportler selbst tragen. Eine Umfrage unter den anderen deutschen Olympiateambünden ergab, dass diese Praxis im gesamten deutschen Sport einzigartig ist. Es stellt sich die Frage, ob diese Gebühren nicht die ohnehin schon knappe finanzielle Situation der Athleten zusätzlich verschärfen.

Autoritärer führungsstil und fehlende transparenz
Neben den finanziellen Problemen wird Matthias Große ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen. Bei der Mitgliederversammlung des DESG im Mai 2025 soll er die Sitzung vorzeitig abgebrochen haben, um eine mögliche Abwahl zu verhindern. Ein anwesender Funktionär beschreibt die Situation als „unerträglich“ und berichtet von Drohungen und Einschüchterungsversuchen gegenüber kritischen Mitgliedern. Die Transparenz im Verband wird als äußerst gering eingeschätzt.

Finanzielle schieflage und steuergelder
Die finanzielle Situation des DESG ist angespannt. Im Jahr 2024 musste der Verband eine insolvenzrechtliche Beratung in Anspruch nehmen, nachdem ein Fehlbetrag von über 288.000 Euro ausgewiesen wurde. Der DESG erhält jährlich rund 1,5 Millionen Euro an Steuergeldern. Es stellt sich die Frage, ob diese Gelder zweckgemäß eingesetzt werden und ob die Athleten tatsächlich von den Fördermitteln profitieren.

Reaktionen und forderungen
Die Athleten Deutschland hat sich zu den Vorwürfen geäußert und ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht. Geschäftsführer Johannes Herber betont, dass die Athleten frustriert seien und sich eine konstruktive Mitgestaltung wünschen, die ihnen jedoch immer wieder verwehrt werde. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat angekündigt, die Vorwürfe zu prüfen, betont aber gleichzeitig die Eigenverantwortung der Sportverbände.

Ein kalender als notlösung
Die finanzielle Notlage einiger Athleten ist so groß, dass sie zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen mussten. So verkauften Sportler aus Erfurt einen Kalender mit Aktfotos, um zusätzliche Einnahmen zu generieren und ihre Reisekosten zu decken. Dies verdeutlicht, wie prekär die Situation für einige Athleten ist und wie dringend eine Verbesserung der Rahmenbedingungen erforderlich ist.
