Lund andresen schlägt milan und philipsen – däne stiehlt tirreno-show

Tobias Lund Andresen schlug zu, als alle auf die Großen warteten. Der 23-jährige Däne riss sich beim Massensprint der dritten Tirreno-Etappe die Schleuderwinde vom Himmel und ließ Jonathan Milan, Jasper Philipsen und Arnaud De Lie alt aussehen. 221 km sausen, 221 km warten – und am Ende jubelt der Mann vom Team Décathlon, der vorher nur Insidern ein Begriff war.

Der lange weg nach magliano de’ marsi

Die längste Etappe dieses Rennens war ein Geduldsspiel. Sechsmal kletterte das Feld über die rolling Stones der Abruzzen, sechsmal gähnte das Peloton, weil sich kein Zügeln lohnte. Matej Mohorič probierte es mit 60 km Vorarbeit – vergeblich. UAE ließ die Fugen offen, weil Isaac del Toro im Leader-Trikot saß und keine Sekunde zittern wollte. Die Rechnung ging auf: del Toro behält das Blau, Lund Andresen kassiert die Lorbeeren.

Im Finale tobte ein Windstoß von dreißig Stundenkilometern über die Gerade. Quick-Step und Alpecin quarzten sich gegenseitig weg, Milan startete zu früh, Philipsen kam aus zu weit. Lund Andresen wartete, wartete, schlüpfte durch ein Loch an der Leitplanke und donnerte mit halbem Rad Vorsprung ins Ziel. Sein dritter Saisonsieg – alle auf Anhieb in WorldTour-Rennen. Die Zahl spricht für sich: 68 km/h Topspeed auf der Zielgeraden.

Italiens sprint-hoffnung bleibt blass

Italiens sprint-hoffnung bleibt blass

Jonathan Milan fuhr als Siebter durchs Zielbanner, war aber schon vorher rot im Gesicht. „Ich habe das Rad von Philipsen verloren, dann war die Lücke zu“, sagte er mit zusammengebissenen Kiefern. Der Italiener gilt als Top-Favorit auf die ersten deutschen Tour-Etappen im Juli – doch wer in der Toskina-Sonne schon die Orientierung verliert, wird in Berlin keine Sekunden verschenken dürfen.

Hintenraus lachte sich Alpecin-Deceuninck krank. Sie hatten den Zug bis 300 m perfekt eingefädelt, doch Philipsen verriss die Schaltung, De Lie musste aus dem Windschatten ausbrechen. „Wir haben die Stufe verpasst“, sagte Direktor Christoph Roodhooft, „so geht man nicht als Sieger durchs Fotomodell.“

Was das heute für die gesamtwertung bedeutet

Was das heute für die gesamtwertung bedeutet

Isaac del Toro verteidigte sein Blau, obwohl er selbst im Getümmel kurz die Spur verlor. Der Mexikaner hat jetzt zwölf Sekunden Vorsprung auf Lenny Martinez, 18 auf Juan Ayuso, der nach seinem Sturz von gestern nur noch mit Tape-Verband ins Ziel rollte. Die Berge kommen am Samstag, da wird del Toros Vorsprung auf die Waage gelegt – oder geopfert.

Lund Andresen dagegen kann durchatmen. Er sammelt nicht nur Punkte, sondern auch Selbstvertrauen. „Wenn du Milan und Philipsen schlägst, weißt du, dass du zu den Besten gehörst“, sagte er mit verschwitzter Sonnenbrille. Der Däne ist kein Geheimtipp mehr – er ist eine Waffe, die jetzt jeden Sprint entscheiden kann.

Die Tirreno-Adriatico schläft keine Runde. Morgen geht’s ins Hügelfinale nach Fermo, da werden die Beine brennen und die Zeitlücken wachsen. Eines steht fest: Wer heute dachte, die Sprintstars hätten das Rennen im Griff, wurde eines Besseren belehrt. In der Reihenfolge Milan-Philipsen-De Lie steht jetzt ein Name vorne – und der kommt aus Kopenhagen, nicht aus Modena oder Antwerpen.