Lukaku sitzt, højlund trifft – contes 50-millionen-einsatz verdrängt big rom
Romelu Lukaku, einst Contes Liebling und dominierender Scudetto-Held, rutscht beim Napoli immer tiefer in die Rolle des teuersten Zuschauers der Liga – 102 Minuten Spielzeit, ein einzelner Traumtor-Trost, danach wieder Tribüne. Dahinter steckt kein Formtief, sondern ein einziger, perfider Muskelriss, der den 31-Jährigen aus dem Titelrennen und fast aus der eigenen Karriere katapultierte.
Der muskelriss, der alles veränderte
Die Szeneri war perfekt vorbereitet: Lukaku lief in Dimaro und Castel di Sangro wie ein Uhrwerk, sollte Lorenzo Lucca den Sturm erben und selbst wieder 20-plus Tore schießen. Dann die letzte Testpartie gegen Olympiakos – ein harmloser Sprint, ein Ruck, ein Schmerz. Rektus femoris komplett durchtrennt, Saisonvorbereigung zu Ende, Napoli sofort auf dem Markt. Am Ende stand Rasmus Højlund für 50 Millionen Euro im Mittelsturm, traf dreimal in den ersten fünf Spielen und löste damit die Lukaku-Frage vorzeitig: braucht man Big Rom überhaupt noch?
Conte liebt Power, aber er hasst Risiko. Der Däne ist jünger, gesünder, billiger in der Gehaltsabrechnung. Lukakus Monatsgehalt von halb Million Euro netto wirkt plötzlich wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, als der belgische Tank noch über Abwehrreihen rollte und nicht neben ihnen saß.

Weltcup-ticket statt scudetto-treffer
Die Uhr tickt auch für die Rote Teufel. Nationaltrainer Domenico Tedesco will Mitte Mai seinen Kader nominieren – und Lukaku steht nicht einmal auf dem Papier. 102 Spielminuten sind für einen Stürmer, der 2018 noch die Bronzemedaille schoss, ein Blanko-Blatt. Intern lautet die Devise: „Wenn Rom nicht spielt, fliegt er.“ Das wäre das erste WM-Turnier seit 2014 ohne ihn.
Im Trainingslager in Riad saß er zwischen Ersatzbank und Bus-Tür, applaudierte Højlunds Tore, schluckte Frust. Das Tor gegen Verona – sein einziger Treffer – war ein Seufzer, kein Befreiungsschlag. Danach wieder Bank, 4 Minuten gegen Turin, Null Einsatz gegen Lecce. Die Zahlen sind lauter als jedes Interview.

Neun partien, ein job, kein netto
Napoli spielt noch neun Mal, der Vorsprung auf Inter schmolz auf drei Punkte. Conte schwört intern, er brauche „Optionen für die Schlussphase“. Das klingt nach Lukaku, klingt aber auch nach Gehaltsstufe 1. Der Klub plant laut Insidern eine Lohnsenkung um 20 Prozent; wer 6 Millionen kostet, landet auf der Liste. Al-Hilal lauert mit einem Drei-Jahres-Vertrag, Anderlecht träumt romantisch. Doch der Spieler lehnte Anfragen bislang ab. Noch.
Donnerstag, 13.30 Uhr, Trainingsgelände in Castel Volturno: Lukaku presst 160 Kilo auf der Beinpresse, schwitzt, lächelt nicht. Drei Wochen, um Conte, die Fans und sich selbst zu überzeugen. Sonst wird der teuerste Zuschauer der Liga zum teuersten Abgang der Sommertransferperiode – und die WM in den USA findet ohne Big Rom statt. Die Uhr tickt, der Muskel heilt, die Karriere wartet. Aber sie wartet nicht ewig.
