Löwen demolieren wetzlar – gensheimer fehlt, chaos bleibt
41:27, Hurra-Galá in der SAP-Arena – und trotzdem liegt die Stimmung bei den Rhein-Neckar Löwen zwischen Eisbad und Fieberkurve. Denn während Haukur Thrastarsson mit fünfzehn Treffern die Kasse machte, saß der Mann, der die Geschicke des Klubs eigentlich lenken soll, zu Hause unter der Decke: Uwe Gensheimer, krank, offiziell mit Fieber, inoffiziell mit Machtkampf.
Der siebte mann fehlt – und keiner weiß, wann er zurückkommt
Trainer Maik Machulla wirkte nach dem Schlusspfiff wie ein Zahnarzt, der eben seine eigene Zange verschluckt hat. „Ich bin auch nur Angestellter“, murmelte er, als wolle er sich selbst davon überzeugen. Die Frage, ob Gensheimer noch Teil der Löwen-Familie ist, beantwortet momentan niemand – weder Bachert noch Machulla noch der krankgemeldete Sportchef selbst. Die Kabine schweigt, die Geschäftsstelle redet von „Rücksprache nächste Woche“. Das klingt nach Termin auf Widerruf.
Was bleibt, ist ein Sieg, der sich liest wie ein Befreiungsschlag und gleichzeitig wie ein Alibi. Die HSG Wetzlar lieferte sich selbst ab: Siebenmeter-Fehler, Tristan Kirschner auf dem Holzweg, zwei Minuten wegen Wechselfauxpas – ein zukünftiger Zahnarzt, der sich selbst den Zahn zieht. Torhüter Mike Jensen hielt hinten, was Wetzlar vorne verschenkte: 50 % Fangquote, ein Statistikwert, der fast so unglaublich wirkt wie Wetzlars Defensivanordnung. „Unser Abwehrverhalten war ein Tiefpunkt“, polterte Coach Runar Sigtryggsson und klang dabei, als wolle er gleich selbst auf der Platte landen.

Thrastarsson lacht, gensheimer fehlt – und die liga fragt weiter
Thrastarsson nahm den Matchball mit nach Hause, 15 Treffer aus 18 Versuchen – das ist keine Quote, das ist ein Statement. Doch selbst der Isländer wischte nach dem Spiel das Lächeln aus dem Gesicht, als die Frage nach Gensheimer kam. „Kein Kommentar“, sagte er, und das klang plötzlich sehr deutsch.
Die Tabelle lügt nicht: Die Löwen springen auf Platz drei, Wetzlar bleibt im Keller. Aber Tabellen lügen nie über Machtvakuum. Solange der Klub nicht klärt, wer künftig das Sagen hat, werden selbst Kantersiege wie dieser nur das Rauschen vor dem nächsten Erdbeben sein. Die Fans jubelten gestern – und gingen doch mit mulmigem Gefühl nach Hause. Denn ein Sieg ist nur so sicher wie die Person, die ihn organisiert. Und die liegt gerade mit Fieber im Bett.
