Löw sieht spanien als top-favorit – und warnt vor fehlender reife

Dortmund. Joachim Löw, der ehemalige Bundestrainer, hat vor dem WM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft seine Einschätzung abgegeben: Spanien sei der klare Favorit, während die DFB-Elf noch an ihrer Reife arbeiten müsse. In der RTL-Sendung „WM-Fieber: Monica Lierhaus und die Bundestrainer“ betonte Löw, dass Talent allein nicht ausreicht, um ein Turnier zu gewinnen.

Persönlichkeiten und werte sind entscheidend

Persönlichkeiten und werte sind entscheidend

„Wenn man in so ein Turnier geht, dann braucht man Persönlichkeiten, die eine Mannschaft führen können“, erklärte der 66-Jährige. Es brauche „Werte untereinander“, die verinnerlicht werden müssen, um die lange und anstrengende WM-Saison zu überstehen. Die Toleranz, auch Frusttoleranz, wenn man mal nicht spielt, sei dabei unerlässlich. Löw erinnerte an seine Zeit als Bundestrainer, als er 2014 in Brasilien den vierten und bisher letzten WM-Titel gewann. Er betonte, dass jeder Spieler die Aufgabe des anderen kennen muss und dass es wichtig sei, füreinander da zu sein, insbesondere in schwierigen Momenten.

Löw zeigte sich zwar optimistisch bezüglich des ersten Turnierspiels am Sonntag gegen Curacao, räumte aber ein, dass das Team noch nicht zu voller Stärke gefunden hat. Seine Einschätzung: Spanien, der amtierende Europameister, sei der wahre Titelfavorit. „Die Spanier haben einfach eine hohe Schule der Technik und Taktik. Sie verstehen das Spiel und können jede Mannschaft dominieren und Akzente setzen – sie sind sozusagen der Chef im Ring.“

Was niemand so offen sagt: Der frühere Bundestrainer scheint eine gewisse Besorgnis über die mentale Stärke der aktuellen Mannschaft zu hegen. Während das Talent zweifellos vorhanden ist, fehlt es offenbar an der nötigen Reife und der Fähigkeit, mit dem Druck eines WM-Turniers umzugehen. Die Spanier hingegen wirken wie eine eingeschworene Gemeinschaft, die ihre Stärken optimal nutzt.

Die kommenden Spiele werden zeigen, ob die DFB-Elf Löws Warnungen beherzigen und sich in ein Team verwandeln kann, das um den Titel mitspielen kann. Die Aufgabe ist klar: Die jungen Spieler müssen schnell lernen, Verantwortung zu übernehmen und in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Denn nur so kann die deutsche Mannschaft ihre Ambitionen bei dieser Weltmeisterschaft realistisch verfolgen.