London stadium blockiert wm-traum: west ham wirft weltverband aus dem eigenen haus

Sebastian Coe sah sich schon den Sieger in der Hand – doch da stand David Moyes im Türrahmen und sagte Nein. Der Weltverband plante, die Leichtathletik-WM 2029 im London Stadium auszutragen, doch der Premier-League-Klub West Ham United verweigert die Zusage. Grund: Die WM fiele mitten in die Saison. Drei Wochen Stadionsperre, kein Heimspiel, keine TV-Einnahmen. Für den Klub ein No-Go, für Coe ein Debakel.

Der zeitplan ist das problem – und coe will ihn nicht ändern

Die World Athletics will ihre WM immer im September. Als Saisonkrönung, nach den Diamond-League-Finals, vor dem Winterschlaf der Stars. Doch genau dann tobt in England die Liga. West Ham hat einen Vertrag, der ihm Vorfahrt garantiert. „Constructive talks“, hieß es zuletzt aus East London. Klingt nett, bedeutet: Wir reden, aber wir rücken nicht raus.

Der Klub nutzt die Arena seit 2016, zahlt nur 2,5 Millionen Pfund Miete pro Jahr und behält alle Matchday-Einnahmen. Ein Deal, der sich für die Hammers lohnt. Ein Deal, der sie zum König des Stadions macht – und Coe zum Gast auf Zeit.

Roma, münchen, nairobi – die konkurrenz wartet schon

Roma, münchen, nairobi – die konkurrenz wartet schon

Londons Bürgermeister Sadiq Khan und die britische Regierung werben trotzdem. Sie wissen: Die WM würde 60.000 Zuschauer pro Tag locken, 250 Millionen Pfund Tourismusumsatz, Bilder um die Welt. Doch ohne West Ham bleibt das Olympia-Stadion leer. Und die Alternativen sind längst im Rennen: Rom setzt auf das renovierte Stadio Flaminio, München auf die neue Athletik-Anlage am Olympiapark, Nairobi auf ein 60.000-Plätze-Projekt, finanziert von chinesischen Investoren. Sogar Indien hat eine Großstadt bereit, Namen werden noch geheim gehalten.

Die Bewerbungsfrist läuft am 3. April ab, die endgültige Dossier-Abgabe erst im August. Zeit also für London, das Problem zu lösen – oder zu scheitern.

Coe bleibt hart, weil er sich selbst treu bleibt

Coe bleibt hart, weil er sich selbst treu bleibt

„Ich bin neutral“, sagt Coe immer wieder. Dabei klingt jeder Satz wie ein Plädoyer für London. „Das drittgrößte Sportevent der Welt“, sagt er, „verdient Anerkennung.“ Was er meint: Verdient ein Stadion. Verdient Terminfreiheit. Verdient Geld. Doch der Weltverband zahlt keine Miete, er verlangt sie. Und West Ham sagt: Erst der Klub, dann der Sport.

Ein Kompromiss? Vielleicht eine Begegnung im Mai, wenn die Liga pausiert. Aber Coe will September. Weil er September schon immer September nennt. Weil er glaubt, dass nur September die WM groß genug macht. Und weil er weiß: Wer nachgibt, verliert.

London droht, das zweite Mal nach 2005 das Nachsehen zu haben – damals wegen fehlender Politik, heute wegen fehlender Macht über einen Fußballklub. Der Countdown läuft. 137 Tage bis zur Entscheidung. Und West Ham spielt weiter Ball.

Coe wird jetzt reisen: Rom, München, Nairobi. Er wird Handschläge verteilen, Lächeln einsammeln. Doch im Hinterkopf bleibt das Bild eines leeren London Stadium an einem Septemberabend – und die Erkenntis, dass manchmal der Gegner nicht die Konkurrenz ist, sondern der eigene Mieter.