Koundé schwärmt von pedri: „er operiert auf einem anderen planeten“

Julian Koundé sitzt auf der Betonbank der Kings-League-Arena, ein Mikro in der Hand, und spricht so schnell, als würde er selbst den Ball jagen. Thema: sein Lieblingsspieler. Antwort: Pedri. Kein Zögern, kein PR-Filtersatz. „Er ist brillant, Punkt. Auf dem Platz denkt er schneller als alle anderen“, sagt der Franzose und wirft damit eine Bombe in ein Transfer-Sommer, der ohnehin schon brodelt.

12-Kilometer-läufer mit seelenmagie

Die Zahlen, die Koundé in den Stream pustet, klingen wie aus einem EA-Sports-Cheat-Menu. Zwölf Kilometer Laufleistung pro Spiel, meiste Balleroberungen in ganz Europa, dazu die beiden Füße, die sich nicht nach links oder rechts, sondern nach „überall“ entscheiden. „Er pivotiert, bevor der Gegner merkt, dass er überhaupt dribbeln darf“, beschreibt der Verteidiger und lacht über seine eigene Formulierung. Dabei ist Koundé kein leicht beeindruckender Analyst; er ist Mitspieler, sieht Pedri jeden Tag im Training, kennt die Geräusche, die der Kanadier beim Passspiel macht – leise „tschks“, als würde der Ball durch ein unsichtbares Tor fallen.

Was Koundé aber wirklich aus der Reserve lockt, ist die defensive Seite des 21-Jährigen. „Die Leute gucken nur YouTube-Compilations, wo er drei Gegner aussteigen lässt. Aber er sprintet 70 Meter zurück, presst, klaut den Ball und startet den Konter – alles in fünf Sekunden.“ Dass Pedri letzte Saison die meisten Ballgewinne in Europas Topligen vorweisen konnte, ist längst kein Geheimnis mehr. Dass ein französischer Weltmeister diesen Aspekt jetzt öffentlich als „unterschätzt“ bezeichnet, schon. Es ist eine Kampfansage an alle, die den Mittelfeldspieler noch in die Schublade „Kreativ, aber weich“ stecken.

Yamals ständige frankreich-frotzelei

Yamals ständige frankreich-frotzelei

Kurz vor dem Ende des Interviews schwenkt Koundé ab, erzählt von Lamine Yamal, dem 16-jährigen Flügelstürmer, der ihm nach jedem Treffen mit der Nationalmannschaft dasselbe ins Ohr flüstert: „Toujours ce but contre la France, Jules.“ Der Teenager spielt auf das 3:1 der Spanier im WM-Viertelfinale an, jenes Tor, das Pedri mit einem traumhaften Diagonalpass vorbereitete. „Lamine erinnert mich daran, dass Pedri nicht nur laufen und verteilen kann, sondern auch Tore schießen lässt – selbst gegen uns“, sagt Koundé und grinst gequält. Die Erinnerung tut weh, verflüchtigt sich aber beim Gedanken an die neue Saison. Barcelona hat Pedri längst zur „untouchable“ Kategorie erklärt, Gespräche über eine Gehaltserhöhung laufen. Koundé wird bald wieder neben ihm stehen, mit Bandage am Oberschenkel, aber voller Vorfreude. „Wenn er fit ist, brauchen wir keinen Plan B. Plan A ist schon unfair genug.“

Die Kings-League-Übertragung läuft weiter, die Kameras schwenken weg. Trotzdem bleibt einer Satz hängen, fast als Monolog gedacht: „Er ist der Grund, warum ich manchmal einfach nur Zuschauer bin, obwohl ich auf dem Platz stehe.“ Ein Geständnis, das selten fällt – Profis bewundern selten Kollegen laut. Koundé tat es, und er wird es nicht bereuen. Denn wenn Pedri wieder aufläuft, wird der Franzose zwölf Kilometer mitlaufen – und hoffen, dass der Ball weiterhin auf einem anderen Planeten spielt.