Liverani raus: ternana trennt sich nach pesaro-pleite
Fabio Liverani muss gehen. Die Ternana Calcio trennte sich am Montag mit sofortiger Wirkung von ihrem Cheftrainer – und das nur wenige Stunden nach der 0:1-Niederlage bei der Vis Pesaro, die die Umbrier auf Rang acht der Serie-C-Gruppe B fest nagelt.
Der pokal ist voll: gestiegene erwartungen, magere ausbeute
Der ehemalige Lecce-Coach war erst im April 2025 zurück an den Nera-Fluss geholt worden, um den bitteren Play-off-Finalverlust des Vorjahrs gegen Pescara (0:1, 1:3 n.E.) zu vergessen zu machen. Doch nach 30 Spielen stehen nur 42 Punkte (13 Siege, 8 Remis, 9 Niederlagen) zu Buche – exakt so viele wie die direkten Konkurrenten aus Pesaro und Gubbio. Für einen Traditionsklub, der sich vor zwei Jahren den Abstieg aus der Serie B noch per Play-out-Aus gegen Bari (1:1, 0:3) eingehandelt hatte, ist das zu wenig.
Mit dem knappen Auswärtserfolg der Gastgeber sorgte Pesaro nicht nur für den vierten Saisonsieg in Folge, sondern zementierte auch die Krise der Ternana. Die Leistung wirkte ideenlos, der Spielfluss zäh. Schon zur Pause pfiffen rund 200 mitgereiste Fans erste Pfiffe, nach dem Schlusspfiff skandierte die Kurve „Liverani vattene“. Wenige Stunden später erfüllte der Verein den Wunsch.

Pasquale fazio übernimmt – vom u17-trainer zum notnagel
Die Lösung heißt Pasquale Fazio. Der 41-Jährige, bisher zuständig für die U17 der Clubakademie, trainierte die Profis bereits am Montagnachmittag. „Wir danken Fabio Liverani und seinem Staff für die professionelle Arbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute“, hieß es in der offiziellen Mitteilung – das Standardrezept, wenn der Erfolg ausbleibt. Fazio darf sich nun beweisen, zumindest bis Saisonende.
Die Aufgabe wird nicht einfacher: Am Samstag empfängt Ternana die Sambenedettese, Tabellendritter von unten und seit fünf Spielen ungeschlagen. Die Gäste brauchen jeden Punkt im Abstiegskampf, die Hausherren jeden Zähler, um den Anschluss an die Aufstiegsränge nicht zu verlieren. Es ist das klassische Sechs-Punkte-Spiel, das über die Zukunft beider Klubs entscheiden könnte.

Die zahlen, die liverani beerdigen
Seit seinem Amtsantritt verbuchte Liverani in 30 Ligapartien nur 1,4 Punkte pro Spiel – das schlechteste Ternana-Coach-Resultat der letzten fünf Jahre. Die Offensive stottert: gerade einmal 36 Treffer gelangen, das ist der drittniedrigste Wert der Gruppe B. Die Defensive kassierte 31 Gegentore, nur fünf Teams waren häufiger gefordert. Besonders brisant: Auswärts holte die Mannschaft gerade einmal 13 von 45 möglichen Zählern, ein Schlüssel für die fehlende Durchschlagskraft im oberen Mittelfeld.
Der Klub sparte nicht an Personal: Mit Nicolas Viola (Ex-Bologna) und Federico Furlan (zuletzt Cittadella) holte die sportliche Leitung erfahrene Spieler, die Serie-B-Qualität besitzen. Doch der Kader versprach mehr, als er auf dem Rasen einlöste. „Wir haben das Potenzial, aber die Mentalität stimmt nicht“, sagte Kapitän Luca Tremolada nach der Pesaro-Pleite – ein Satz, der Liverani wohl noch in den Ohren klingt.

Was jetzt zählt: pragmatismus statt pathos
Fazio steht vor der Quadratur des Kreises: Er muss eine Mannschaft wieder aufrichten, die sich selbst verloren hat, ohne dabei die eigene DNA der Jugendförderung zu verraten. Die Verantwortlichen um Sportdirektor Luca Leone setzen auf kurzfristige Stabilisierung, langfristig steht die Frage im Raum, ob ein erfahrener Profi-Coach im Sommer übernimmt. Die Fans jedenfalls fordern vor allem eins: Siege. Alles andere ist Makulatur.
Die Ternana ist wieder einmal beim Übergang von Hoffnung zur Realität hängen geblieben. Mit 42 Punkten nach 30 Spielen liegt die Mannschaft nur fünf Zähler hinter dem dritten Platz – so eng ist die Serie C. Aber der Rückstand auf die Spitzengruppe fühlt sich an wie zehn. Pasquale Fazio hat acht Spieltage Zeit, diese Kluft zu schließen. Schafft er es nicht, wird der Klub im Sommer erneut um Kurskorrektur kämpfen. Die Uhr tickt laut – und sie tickt schnell.
