Little love schlägt alle: bremer tanz-mädchen holen bundesliga-titel

Ein schwarzer Tsunami aus 25 Beinen rast über die Bühne, die Halle in Hameln dreht durch. Als das Mikro abreißt, steht eine Zahl: 97,3 Punkte – und damit liegt Little Love aus Bremen vor acht Konkurrenten. Bundesliga-Sieg in der Junioren I, Videoclip-Dancing.

Die choreografie war eigentlich nur der anfang

Michele Cantanna strahlt, als wäre der Applaus für sie persönlich. „Die Mädels haben drei Monate lang jede Pause geopfert“, sagt die Trainerin. Die 25 Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren trainierten in der Tanzarena Bremen, oft bis 21 Uhr, um Hip-Hop-Sprints, Showdance-Hechtsprünge und emotionale Lichtblicke zu verbinden. Das Ergebnis: eine Performance, die die Jury aus Geschwindigkeit, Präzision und Story verlangte – und bekam.

Die Masters League gilt als Mini-EM der Videoclip-Dancer. Wer hier gewinnt, darf sich „Bundesligist“ nennen – ein Etikett, das in der Szene mehr zählt als jeder Pokal. Die Teams kommen aus München, Hamburg, Berlin. Little Love hatte beim European Masters of Dance nur den dritten Platz belegt, jetzt räumten sie ab. Der Unterschied? „Wir haben unsere Musik selbst geschnitten“, verrät Cantanna. „Zwei Tracks, 2:08 Minuten, 23 Schnitte – und jeden Count genutzt, um Emotion zu erzeugen.“

Die eltern feierten in der galerie, die konkurrenz klatschte mit

Die eltern feierten in der galerie, die konkurrenz klatschte mit

Die Halle war ausverkauft, 3.000 Zuschauer, darunter 200 mit Bremer Fahnen. Als die Punktzahl fiel, brach ein Gebrüll los, das selbst die Technik-crew erschreckte. „Wir haben gezittert, als wären wir auf dem Platz“, sagt Mutter Kerstin Wiebusch. Ihre Tochter Lotta ist die Jüngste im Team. „Jetzt darf sie erstmal schlafen – und dann wieder trainieren, weil die Saison nie endet.“

Denn die Bundesliga ist erst der Auftakt. Im Sommer geht’s zur Europameisterschaft nach Prag. Dort wartet ein internationales Feld, das noch schneller, noch synchroner ist. Cantanna lacht: „Wir haben schon neue Schrittfolgen, aber das Geheimnis bleibt im Proberaum.“ Die Mädels haben einen neuen Spitznamen: „Bremer Schwarze“ – wegen der Outfits und wegen dem Tempo, das sie mit sich reißen.

Die Trophäe steht jetzt in der Tanzarena, direkt neben der Kaffeemaschine. Jeder, der vorbeikommt, streift kurz über das Metall. Es klingt wie ein leises Versprechen: Nächstes Jahr verteidigen. Und wer weiß, vielleicht fliegt die Gruppe dann nicht nur in Hameln, sondern in ganz Deutschland unter dem Radar – und landet direkt im Fernsehen. Die Kamera lief diesmal schon mit. Die Bilder sind online, die Klicks steigen. Die Liga der kleinen Füße hat die große Bühne betreten.