Lisinski trifft, chemie zittert: leipziger befreiungsschlag im abstiegskampf

Rajk Lisinski schiebt den Ball über die Linie, das Kunze-Sportpark-Rad dreht sich durch. Chemie Leipzig ringt Luckenwalde nieder – und atmet in der Regionalliga-Nordost erstmals seit Wochen wieder durch.

Der tag, an dem der ball klebte

27. Spieltag, 14. Uhr, Kunze-Sportpark: Die BSG startet wie unter Strom. Stanley Ratifo jagt sich in der 9. Minute frei, zieht aus zwölf Metern ab – Kevin Tittel pariert. Die Ecke folgt, die nächste, die übernächste. Luckenwalde wirkt wie ein Team, das den Rasen erst zwei Stunden vor Anpfiff entdeckt hat. Die Gäste finden keinen Zugriff, weil Leipzigs Mittelfeld um Phillipp Wendt und Fynn Seidel jeden zweiten Ball abfängt und sofort wieder nach vorn spielt.

Nach einer halben Stunde dann die logische Konsequenz: Ratifo tankt sich links durch, Tittel wehrt ab, doch Lisinski steht im richtigen Moment am Fünfer und schiebt ein. 1:0 – die Führung ist hochverdient, das Stadion erleichtert. Dass Valon Aliji kurz vor der Pause den zweiten Treffer liegen lässt, weil er im Strafraum einen Haken zu viel macht, ist die erste Warnung.

Chaos im sechzehner und ein letzter herzinfarkt

Chaos im sechzehner und ein letzter herzinfarkt

Nach dem Seitenwechsel dreht sich das Bild nicht – Chemie bleibt dominant, Luckenwalde weiterhin planlos. Aliji jagt jedoch drei Mal das Außennetz, Ratifo verpasst aus sieben Metern. Die Statistik spricht Bände: 14:2 Torschüsse, 8:0 Ecken zwischen der 60. und 75. Minute. Doch die Gäste hängen sich rein, weil sie wissen: Ein Punkt würde sie im Soll lassen.

In der 88. Minute steht Jonas Kühn plötzlich völlig blank vor Keeper Jonas Kuhn – und zielt knapp links vorbei. Der Kunze-Sportpark inhaliert kollektiv, die Leipziger Bank sackt kurz zusammen. Schlusspfiff – 1:0. Die BSG springt auf Rang 13, nur noch zwei Zähler hinter Babelsberg. Trainer Alexander Schmidt atmt tief durch: „Wir haben endlich wieder Fußball gespielt, wie wir ihn uns wünschen – mit Leidenschaft und Pressing.“

Die drei Punkte riechen nach Befreiung. Für Lisinski ist es das vierte Saisontor, das vielleicht wertvollste. Die restlichen sieben Spiele werden zeigen, ob Chemie den Anschluss halten kann. Heute zählt nur der Sieg – und das laute Aufatmen von 3.800 Zuschauern, die endlich wieder glauben dürfen.