Lipowitz knackt pogacars code: neues tour-konzept statt selbstzerfleischung
Florian Lipowitz tritt die Flucht nach vorn. Statt sich mit Remco Evenepoel in eine interne Machtfrage zu verbeißen, hat das deutsche Radsport-Talent die Teamstrategie umgeschrieben: gemeinsame Höhenlagern, geteilte Kapitänsrolle, null Egos auf Teneriffa.
Die Botschaft klingt ungewohnt für einen Sport, in dem Sekundenbruchteile über Sieg und Niederlage entscheiden. „Wir verstehen uns gut auf und neben dem Rad“, sagt Lipowitz der Sport Bild. Ein Satz, der in der Vorbereitung auf die Tour de France so viel wert ist wie ein zusätzliches Paar Carbonlaufräder.
Die waffe heißt: kurze, harte intensität
Die Rundfahrt Katalonien ab 23. März wird zum ersten Test. Dort will der 22-Jährige zeigen, dass er die Lücke zu Tadej Pogacar und Co. geschlossen hat – nicht im Dauersprint, sondern in den explosionsartigen Attacken der letzten 200 Meter. „Bei der reinen Schwellenleistung kann ich schon mithalten, aber in den kürzeren, intensiveren Bereichen kann ich mich noch steigern“, gesteht er offen.
Das Red-Bull-Bora-hansgrohe-Trainingslager auf Teneriffa gleicht einem Labor. Drei Wochen Höhentraining im Mai, davor ein reduziertes Rennprogramm, damit Lipowitz nach der Tour nicht leer ist. „Wir wollten es dieses Jahr optimaler gestalten“, erklärt er. Die Saisonplaner haben die Power-Curves analysiert, die Herzfrequenz-Messgeräte laufen auf Hochtouren.

Kapitän? beide. oder keiner.
Die Doppelspitze ohne klare Hierarchie ist kein Marketing-Gag. Sie ist Antwort auf die Übermacht der UAE-Armada um Pogacar. Evenepoel bringt die Grand-Tour-Erfahrung, Lipowitz die Frische. Wer am Ende die Führung übernimmt, entscheidet sich auf der Straße – nicht im Besprechungszimmer.
Die Tour de France startet am 5. Juli in Lille. Bis dahin hat Lipowitz noch 103 Tage, um seine Schwachstelle in eine Stärke zu verwandeln. Die Uhr tickt. Und Pogacar schläft nicht.
