Lipowitz: "ich habe mich als mensch weiterentwickelt" – exklusiver blick hinter die kulissen des höhentrainings

Sierra Nevada – Florian Lipowitz, der deutsche Hoffnungsträger im Peloton, spricht im exklusiven Eurosport-Interview über seine Vorbereitung auf die Tour de France. Nach einem schwierigen Jahr, das von einem mentalen Tief nach dem dritten Platz 2025 geprägt war, blickt der 25-Jährige nun mit neuem Selbstvertrauen und einer klaren Zielsetzung nach vorne. Die Höhenmeter in den Anden sind dabei nur ein Teil der Herausforderung.

Die mentale stärke: mehr als nur kondition

Die Erinnerungen an die vergangene Tour de France lasteten schwer. Lipowitz kämpfte mit den Folgen einer langen Saison, sowohl körperlich als auch mental. „Ich habe mich als Person weiterentwickelt“, so der Radprofi im Gespräch mit Eurosport. „Ich habe gelernt, mit dem Druck umzugehen und mich auf meine Stärken zu konzentrieren.“ Die Unterstützung seiner Freundin, Antonia Weeger, einer erfolgreichen Mountainbikerin, sei dabei von unschätzbarem Wert. „Sie weiß genau, was es bedeutet, an seine Grenzen zu gehen, und gibt mir Halt“, erklärt Lipowitz.

Das Höhentraining in der Sierra Nevada ist Teil eines umfassenden Plans, um die Lücke zu den dominierenden Kräften Pogacar und Vingegaard zu schließen. „Es ist hart, eintönig, aber genau das ist es, was uns auf die Tour vorbereitet“, sagt er. Die Trainingshöhen belaufen sich auf über 2300 Meter, mit gelegentlichen Ausflügen bis zu 3000 Metern, um die Akklimatisierung zu beschleunigen.

Die konkurrenz: pogacar, vingegaard und ein starker paul seixas

Die konkurrenz: pogacar, vingegaard und ein starker paul seixas

Die Dominanz von Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard im internationalen Radsport ist unbestritten. Lipowitz räumt ein, dass es eine „sehr schwere Aufgabe“ sein wird, sie zu schlagen. „Jonas hat sich beim Giro d’Italia nochmal weiterentwickelt, aber auch Pogacar wird bei der Tour anders aussehen“, analysiert der Deutsche. Ein weiterer Name, der in diesem Zusammenhang fällt, ist Paul Seixas. „Er hat im Vergleich zum Vorjahr einen immensen Schritt gemacht und wird uns das Leben schwer machen.“

Die Bilanz des Frühjahrs war für Lipowitz positiv, mit Podiumsplätzen bei der Baskenland-Rundfahrt und der Tour de Romandie. „Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben“, so der Sportler. Der Angriff auf Pogacar bei der Tour de Romandie demonstrierte sein gesteigertes Selbstbewusstsein. „Es geht darum, sich selbst und die Konkurrenz zu pushen“, betont er.

Die Doppelspitze mit Remco Evenepoel bietet Lipowitz die Möglichkeit, den Druck auf sich zu verteilen und von dessen Stärken zu profitieren. „Wenn Remco ins Gelbe Trikot fährt, wäre das ein großartiges Ziel für uns als Team“, sagt er.

Lipowitz blickt optimistisch auf die Tour de France, auch wenn er weiß, dass es eine „sehr schwere Aufgabe“ sein wird. Er hat gelernt, mit dem öffentlichen Interesse umzugehen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: seine Leistung auf der Straße. Rolf Aldag, Eurosport-Experte, sieht in Lipowitz einen noch gefährlicheren Gegner als im Vorjahr. „Er ist reifer geworden, taktisch klüger und körperlich stärker“, so Aldag.

Lipowitz beendet das Interview mit einem Blick in die Zukunft: „Ich bin bereit für die Herausforderung. Die Tour wird hart, aber ich werde alles geben.“