Lieberknecht schlägt spion zurück – kaiserslautern vor derby im moralischen rausch
Torsten Lieberknecht wollte keine Geheimwaffe, er wollte Fußball. Als ihm ein Mitarbeiter am Freitag interne Karlsruher Notizen auf den Tisch legte, explodierte der FCK-Coach: „Ich habe ihn zusammengefaltet. Das ist hochgradig asozial.“ Drei Tage vor dem Südwest-Duell gegen den KSC verbannte er den Informanten aus seiner Nähe – und schickt seine Betzenberger in die Partie mit blanker Brust statt verdeckter Liste.
Warum lieberknecht auf 11 punkte rückstand plötzlich stolz ist
Die Szene spielte sich auf dem Trainingsgelände an der Fritz-Walter-Straße ab. Der Helfer – Interna nennen ihn nur „ein Kurpfälzer mit guten Kontakten“ – hatte sich Zugang zum KSC-Trainingszirkel verschafft und bot Taktik-Details: Wer gegen Pressing klafft, wer die Umstellungen schreit, wer die Freistöße schießt. Statt zu kassieren, schickte Lieberknecht den Mann zurück in die Kabine. „Ich habe ihm gesagt: Wenn mir das passieren würde, wüsste ich nicht, was ich täte. Damit ist die Sache für mich erledigt.“
Die Badische Zeitung hatte zuvor gemeldet, ein FCK-Scout habe das Karlsruher Training beobachtet. Die Meldung ist laut Club nicht zutreffend – was bleibt, ist der Gestus des Trainers. „Wir wollen nicht auf Biegen und Brechen gewinnen, sondern auf dem Platz“, sagte Sportvorstand Thomas Hengen, der den Vorfall intern sofort absegnete. Die Botschaft: Selbst mit 11 Punkten Rückstand auf Rang drei sollen die Roten Teufel ihre Play-off-Chance nicht durch Schummeln wahren.

Derbysieg ohne spionage: ein selbstversuch der liga
Am Sonntag um 13.30 Uhr stehen sich in der Wildparkstadt Tabellenvierter und -neunter gegenüber. Für Kaiserslautern geht es ums letzte Rest-Feuer, für Karlsruhe ums Wegsperren. Die Platzkarten sind restlos vergriffen, 34 000 Fans werden die Lauterer Anreise mit Pfiffen quittieren. Lieberknecht schickt seine Profis mit einem einzigen Auftrag: „Wir wollen das Derby gewinnen – und danach die Hand schütteln können.“
Der Coach selbst wird auf der Bank sitzen, die Brille tief in der Stirn, das Notizbuch leer. Keine Codes, keine Pfeifenfolgen, nur die 90 Minuten, die er seit Wochen predigt. Die Tabelle lügt nicht: Wer 39 Punkte nach 28 Spielern sammelt, braucht kein Spion, sondern ein Wunder. Doch manchmal reicht ein Prinzip, um eine Saison zu retten. Lieberknecht hat seins gefunden – und es heißt Anstand.
