Dobruna trifft früh, zwickau wackelt spät: 1:0 gegen zehlendorf
Veron Dobruna lässt die 70er-Jahre-Trikots hopfen: Nach zwölf Minuten donnert der Angreifer den Ball unter die Latte, und der FSV Zwickau beginnt seine Zeitreise mit einem 1:0-Sieg gegen Hertha Zehlendorf. Die Westsachsen feiern damit den dritten Erfolg nacheinander, doch die Freude bleibt zäh – denn der Tabellenletzte macht ihnen bis zum Schlusspfiff die Hosen voll.
Choreo statt celtic: erinnerung an sachsenrings europacoup
50 Jahre nach dem legendären 1:0 der BSG Sachsenring gegen Celtic Glasgow haben die Fans eine riesige Choreografie ausgerollt: Grüne Wiesen, britische Falten und ein Spruchband, das an das „Tor des Jahrhunderts“ erinnert. Die Spieler laufen in Retro-Trikots auf, die so knallig sind, dass selbst der Videoassistent kurz blinkt. Die Stimmung kocht, doch auf dem Rasen zieht schnell die Realität ein.
Zwickau dominiert die ersten 20 Minuten, spielt sich in Kombinationen, die an die alten schottischen Gegner erinnern – nur ohne Dosenwürfe. Dobruna nimmt einen abgefälschten Ball volley, Zehlendorfs Keeper Robin Uhlmann ist noch im Sprung, als die Netzbahn schon zittert. Danach passiert lange nichts. Die Gäste schalten um auf Angriff, Zwickau verliert die Ballsicherheit wie ein Radiowecker seine Batterie.

Statistik lügt nicht: xg 2,4 zu 0,9 – trotzdem brennt’s
Die Zahlen sprechen klar: Zwickau erarbeitet sich 2,4 erwartete Tore, Zehlendorf nur 0,9. Doch in der 88. Minute muss Keeper Lennart Grill einen Kopfball von Younes Bahir aus kurzer Distanz gerade noch um den Pfosten lenken. Die Kurve ächzt, Trainer Rico Schmitt wirbelt seine Jacke wie einen Fahnenmast. „Wenn du so früh triffst, denkst du, es wird ein Tanz. Stattdessen tanzen wir auf dem Vulkan“, sagt er nach Abpfiff. Der Sieg bleibt, die Serie auch, doch die Lektur ist klar: Wer Europacup-Feiern auffährt, muss auch 90 Minuten lang liefern.
Am Ende steht Zwickau auf Platz vier – drei Punkte hinter Union Fürstenwalde, aber mit einem Bein im Aufstiegsrennen. Die nächste Partie führt nach Cottbus, wo Energie auf Betonboden spielt. Dobruna lacht: „Dort gibt’s keine 70er-Choreo, nur 90 Minuten Gegenpressing.“ Für den FSV geht es um mehr als Retro-Trikots – es geht um die Zukunft, die plötzlich wieder nach oben zeigt.
