Lichtsteiner zieht nach: 12 grad als bürde – basel-coach verteidigt heikle wetter-aussage

Stephan Lichtsteiner lässt sich nicht verbiegen. Nach dem 0:3 gegen St. Gallen war der Basel-Trainer Medien-Hassobjekt Nummer eins – weil er die Niederlage mit milden Temperaturen erklärte. Jetzt legt er nach: „Ich suche keine Ausreden, ich erkläre Physik.“

12 Grad – zu warm für profis?

Der Kybunpark zeigte am Sonntag zwölf Grad, das Thermometer damit vier Stufen höher als in den vergangenen Wochen. Für Lichtsteiner ein valider Leistungsfaktor. „Wenn du monatelang bei null bis acht Grad spielst, schaltet dein Körper um. Plötzlich schwitzt er mehr, der Puls rast, die Beine werden schwer.“ Die Mannschaft habe diese Umstellung „einfach nicht verkraftet“. Klingt nach Jammern auf hohem Niveau, doch der Coach zieht Studien aus der Sportphysiologie heran, nach denen selbst moderate Temperaturspitzen die Laktatwerte um bis zu 15 Prozent erhöhen können.

Die Reaktion war ein Shitstorm. Fans beschimpften ihn als „Wetter-Waldi“, Sportkommentatoren forderten „weniger Meteo, mehr Taktik“. Lichtsteiner kontert: „Man hat ein Zitat zerlegt, den Kontext ignoriert.“ Tatsächlich nannte er im SRF-Interview auch die „aggressive Pressing-Struktur von St. Gallen“ und eigene „ballverlustreiche Aufbauphasen“. Doch nur die Wetter-Fetzen machten Schlagzeilen.

Offensive kommunikation als markenzeichen

Offensive kommunikation als markenzeichen

Statt sich zu ducken, verdichtet der 42-Jährige seine Haltung. „Ich werde nicht zum ‚Ja-Sager‘ vor der Kamera. Ich erkläre, warum ein Gegner besser war und warum meine Mannschaft leer war.“ Dafür nimmt er auch Selbstkritik in Kauf: „Wir haben die Lösungsansätze besprochen, aber nicht umgesetzt. Der Tank war leer, ja – aber ich muss früher reagieren.“

Klubintern stützt man ihn. Sportdirektor Philipp Kresnik betont: „Stephan steht für Transparenz. Davon profitieren wir langfristig, auch wenn einzelne Formulierungen missverstanden werden.“ Die Statistik gibt ihm recht: Basel gewann nur eines der letzten sieben Auswärtsspiele, wenn die Temperatur über zehn Grad lag. Ein Zufall? Lichtsteiner lacht bitter: „Zufall ist das andere Wort für ‚wir haben keine Erklärung‘.“

Vor dem Duell mit Servette am Samstag steht die Frage im Raum, ob die Mannschaft nun bei jedem Grad Celsius zweifelt. „Nein“, sagt der Coach, „aber wir werden die Belastungssteuerung anpassen: kürzere Trainingsblöcke, mehr Eisbad, klare Hydratations-Ziele.“ Details, die die Spieler bereits auf der Taktiktafel finden. Details, die vielleicht den Untersied ausmachen zwischen einem 0:3 und einem späten Siegtreffer.

Die Fans werden ihn weiter auf die Probe stellen. Lichtsteiner nimmt’s mit Humor: „Wenn wir gegen Servette gewinnen und es schneit, bin ich wieder der Wetterfrosch – nur mit positiver Vorzeiche.“ Die Wetter-App hat er inzwischen gelöscht. Die Punkte-App der Super League nicht. Dort steht der FCB momentan auf Rang fünf – acht Zähler hinter St. Gallen. Die einzige Konstante, die zählt.