Lexus nx 450h+ im check: plug-in-hybrid, der luxus mit alltag verbindet
Endlich steckt der Stromstecker auch im Kühlergrill eines Lexus – und das, bevor die EU-Bohei neue Absatzrekorde verpasst. Der NX 450h+ landete Ende 2021 in den Showrooms, bereit, den Mittelklasse-SUV-Krieg mit 309 PS und 76 rein elektrischen Kilometern mitzukämpfen.
Design bleibt l-förmig, nur schärfer
Die 4,66 Meter lange Karosse trägt die Spindelgrille wie ein Samurai sein Katana: deutlich sichtbar, aber nicht plump protzig. Die Kanten sind scharf, doch wer nach origami-extrem sucht, wird enttäuscht – Lexus verzichtet auf grellen Splitterlook. Der Effekt wirkt europäischer, erwachsener.
Im Cockpit erinnert nichts mehr an den spießigen Japan-Look der Vorgänger. Die 14-Zoll-Mitteleinheit thront hoch und neigt sich zum Fahrer, als wolle sie Geheimnisse flüstern. Darunter: echte Druckknöpfe, weil Touch-Only bei 180 km/h auf der A9 nervt. Die Verarbeitung ist so akkurat, dass selbst ein Audi-Ingenieur neidisch werden könnte.

Platz ohne stauergimmick
545 Liter Kofferraum klingen nach Kompaktklasse, sind aber ein Wunder, wenn man bedenkt, dass 18,1 kWh Lithium unter dem Boden schlafen. Umgeklappt passiert ein Fahrrad ohne Frontalabnahme, 1.436 Liter stehen dann zur Verfügung. Wer hinten sitzt, findet selbst mit 1,90 m Knieraum – nicht selbstverständlich bei PHEVs.
Die Sitze sind kein Liegesofa, aber ein Argument gegen jede Fahrpause. Dicke Seitenwangen halten bei Querbahnen, die Polsterung erinnert an feste Hotelmatratzen: man sinkt nicht ein, man lässt sich halten. Warm, kalt, gelüftet – alles serienmäßig, solange der Preis stimmt.

Antrieb: 309 ps, aber keine startblockade
Unter der Haube arbeitet ein 2,5-Liter-Sauger mit Atkinson-Tricks, davor und dahinter elektrifizierte Achsen. 0–100 km/h in 6,3 Sekunden reichen für Überholmanöver, ohne dass das CVT-Getriebe jault. Die Systemleistung fließt linear, nicht explosiv – typisch Lexus, unterschwellig schnell.
Rein elektrisch hält der Akku bis zu 135 km/h durch, in der Stadt kratzen 90 Kilometer an der realen Grenze. Wer jeden Morgen lädt, pendelt Woche für Woche ohne Tropfen Benzin. Die offizielle WLTP-Quote von 3,2 Litern wird natürlich nur unter Laborzuckerei erreicht. Fakt ist: leer entspricht der 450h+ einem normalen Hybrid mit knapp sieben Litern – immer noch besser als jeder 2-Tonnen-Baujahr-2019-Diesel.

Preis: luxus kostet – und das weiß der markt
78.500 Euro für die F-Sport-Version in Spanien. Kein Schnäppchen, aber vergleicht man die Liste mit deutscher Premium-Konkurrenz, fällt auf: Matrix-LED, 20-Zöller, Panorama-Schiebedach, hintere Sitzheizung, Leder, Luftfilter und ADAS-Ensemble sind hier Serie, wo Audi und BMW erst den Konfigurator aufploppen lassen. Wer Plug-in will, aber den BMW X3 xDrive30e als zu schrill, den Mercedes GLC 350e als zu soft findet, bekommt im NX ein rundes Paket ohne Social-Media-Gimmick.
Lexus liefert keine Revolution, sondern eine konsequente Evolution – und genau das verkauft sich in Krisenzeiten. Die Wartungsintervalle bleiben lang, die Wiederverkaufswerte stabil. Wer jetzt bestellt, darf sich auf 2024 freuen – die Wartezeiten zeigen, dass der Stecker auch bei Traditionsträchtern ankommt.
