Leverkusen patzt zum saisonfinale – champions-league-platz ist futsch

Stefan Fischer – Die BayArena bebte nicht vor Jubel, sondern vor Enttäuschung. Bayer Leverkusen schaffte am 34. Spieltag nicht mehr als ein 1:1 gegen den bereits geretteten Hamburger SV und rutschte damit auf Rang sechs ab – Europa League statt Königsklasse. Die Folgen könnten dramatisch sein.

Kasper hjulmand vor dem aus

Die Pfiffe, die nach Abpfiff durch die Kurven zogen, galten nicht nur der Mannschaft. Sie galten auch dem Trainer. Kasper Hjulmand stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als hätte er das Spiel schon vorher verloren. Dänische Medien berichten seit Tagen: Der Verbleib des 52-Jährigen hängt am seidenen Faden. Die Bosse wollen Antworten sehen – und die lauteten am Samstag nur: 1:1, wieder zu passive, wieder zu ideenlos.

Die Rechnung war simpel gewesen: Gewinnen, dann zuschauen, was in Stuttgart und Hoffenheim passiert. Doch Bayer erledigte die eigenen Hausaufgaben nicht. Patrik Schick scheiterte früh am glänzend reagierenden Sander Tangvik (25.), Nicolas Capaldo köpfte für die Gäste ans Aluminium (17.). Zwischen diesen Szenen plätscherte ein Bundesligaspiel dahin, das wie ein Freundschaftskick aussah – nur mit höherem Einsatz und tieferem Fall.

Fábio vieira trifft, jarell quansah rettet

Fábio vieira trifft, jarell quansah rettet

Nach der Pause dann der Schock: Fábio Vieira schlenzte aus 18 Metern einfach mal ab – Mark Flekken sah alt aus, 0:1 (61.). Die BayArena verstummte, 30 000 Zuschauer schluckten gleichzeitig. Die Antwort ließ auf sich warten, kam dann aber doch: Jarell Quansah köpfte eine Ecke zur späten Hoffnung herein (78.), Remberg fälslte unhaltbar ab. Es reichte nicht, es hätte aber auch nicht mehr gereicht, weil parallel Stuttgart zwischenzeitlich führte.

Die Zahlen sind hart: Leverkusen sammelte aus den letzten fünf Partien nur vier Punkte – eine Serie, die selbst Europa-League-Anwärter blass werden lässt. Die Tordifferenz gegen direkte Konkurrenten: minus vier. Die Bilanz zu Hause: erst acht Siege, dafür fünf Remis. „Wir haben es uns selbst verbaut“, sagte Robert Andrich mit zitternder Stimme, „das tut weh, weil wir wissen, was wir können.“

Suche nach dem neuen coach läuft

Suche nach dem neuen coach läuft

Während die Spieler die Ränge abklatschten, arbeitete die Geschäftsstelle schon am nächsten Kapitel. Oliver Glasner, Filipe Luís, Míchel – die Liste der Kandidaten ist lang, die Zeit kurz. Die Quali-Runde der Europa League beginnt bereits Mitte August, der Kader bedarf einer Generalüberholung. Mit Schick, Frimpong und Wirtz locken europäische Großklubs, die Einnahmen aus der Champions League fehlen in der Kasse. Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes sprach von „einem Rückschlag mit Ansage“, kündigte „konsequente personelle Konsequenzen“ an.

Für den HSV war der Punkt das i-Tüpfelchen auf einer Rettungsmission, die keiner mehr für möglich hielt. Trainer Merlin Polzin feierte mit den Fans, die Mannschaft wirbelte wie befreit durch den Block. Hamburg bleibt – und Leverkusen muss wieder von vorn beginnen.

Die Saison endet mit einem Paukenschlag in der BayArena. Doch der klang nicht nach Finale, sondern nach Neuanfang – ob mit oder ohne Hjulmand wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Fakt ist: Die Europa League ruft, und sie ruft früher als gedacht.