Leverkusen am rande des triples: der tag, an dem der traum zerplatzte
Es war ein 20. Mai, der für Bayer Leverkusen bis heute als Synonym für bittere Enttäuschung steht. Vor 24 Jahren, im Sportpark Unterhaching, war es so nah, und doch so fern: die erste Meisterschaft des neuen Jahrtausends. Ein Tag, der den Mythos „Vizekusen“ endgültig zementierte und die Fans bis heute verfolgt.

Die spannung vor dem entscheidenden spiel
Die Saison 2000 war ein Nervenspiel bis zum letzten Spieltag. Bayer Leverkusen, unter der Leitung des charismatischen Christoph Daum, hatte sich einen komfortablen Vorsprung vor den Bayern München erarbeitet. Der Sieg in Unterhaching, nur 14 Kilometer vom Olympiastadion entfernt, sollte die Krone auf eine herausragende Saison setzen. 2500 Fans begleiteten die Mannschaft, während 15.000 in der BayArena vor einer Videowand mitfieberten. Die Atmosphäre war elektrisierend, die Erwartungen riesig.
Doch es gab auch Versuche, die Leverkusener zu verunsichern. Bayern-Kapitän Stefan Effenberg, in einer fragwürdigen Psychospielchen-Strategie, bezeichnete Unterhaching gar als die beste Mannschaft der Bundesliga. Lorenz-Günther Köstner, Trainer der Gastgeber, blieb realistischer: „Wir wollen uns nichts nachsagen lassen. Aber Bayer wird zu 99,9% Meister.“
Die Nerven zerbrachen
Was folgte, war ein Spiel, das Fußballgeschichte schrieb – und zwar aus den falschen Gründen. Schon vor dem Anpfiff belastete eine bizarre Situation Daum: Eine türkische Frau behauptete, ein uneheliches Kind von ihm zu haben, eine Geschichte, die erst im Rahmen des späteren Kokain-Skandals ans Licht kam. Ob dies die Vorbereitung beeinflusste, bleibt spekulativ, doch die Leverkusener wirkten desorientiert. Während in München die Bayern bereits nach 16 Minuten mit 3:0 führten, kämpfte Leverkusen mit seinen Nerven.
Dann der Schock: In der 20. Minute erzielte Michael Ballack ein Eigentor, ein Moment, der bis heute in den Annalen des deutschen Fußballs verewigt ist. Der virtuelle Meistertitel gehörte plötzlich Bayern München. Und während die Bayern ihre Führung in München souverän über die Zeit brachten, geriet Leverkusen in einen Strudel der Verzweiflung. Markus Oberleitner, Ex-Bayern-Profi, besiegelte mit seinem 2:0 in der 72. Minute das bittere Ende.
Die Enttäuschung in Leverkusen war unbeschreiblich. Ottmar Hitzfeld feierte mit Uli Hoeneß, während Daum auf der Bank weinte. Ballack schluchzte auf dem Flughafen in den Armen seiner Simone. Oliver Kahn, der Keeper der Bayern, kommentierte zynisch: „So brutal kann Fußball sein. Das ist die schönste Meisterschaft, die ich je erlebt habe.“
Ein Fluch, der bis heute nachwirkt
Emerson, der brasilianische Verteidiger, prophezeite düster: „Leverkusen wird nie etwas gewinnen! Nie, nie, nie.“ Eine Aussage, die bis heute nicht widerlegt wurde. Die Saison 2000 war ein dramatisches Finale, das die Faszination und die Grausamkeit des Fußballs auf eindrückliche Weise demonstrierte. Und obwohl Leverkusen später noch das DFB-Pokal-Finale und das Finale der UEFA Europa League bestritt, blieb der Fluch von „Vizekusen“ bestehen. Ein Tag im Mai 2000, der die Geschichte eines Vereins für immer prägen sollte.
