Letzter paralympics-tag: 20 km skilanglauf, slalom-knaller und eishockey-klassiker
Cortina d’Ampezzo bebt ein letztes Mal. Um 9 Uhr jagen Anja Wicker, Marco Maier und Linn Kazmeier über 20 Kilometer freien Stils – kein Warm-up, sondern ein Sprint aufs Podium. Bundestrainer Ralf Rombach lüftet das Geheimnis: „Wir haben dieses Rennen bewusst nicht tottrainiert, die Frische soll zählen.“
Deutsche auswahl setzt auf tempo statt taktik
Die Sechser-Formation ist kein B-Team. Wicker, sitzend, fuhr in Pyeongchang Bronze, Maier steht nach drei Weltcup-Siegen vor seiner ersten Paralympics-Medaille. Kazmeier, blind, läuft mit Guide Florian Bauersachs – beide haben die Fell-Zone studiert wie ein Schachbrett. Wer zuerst die steile Anhöhe nach 14 km nimmt, spart 30 Sekunden, das wissen sie.
Parallel zieht Alexander Rauen die Latten enger. Der 21-Jährige ist Debütant, aber sein Slalom-Setup hat 2,1 Grad mehr Vorspannung als beim Training – ein Risko, das sich auszahlen könnte. Christoph Glötzner und Leon Gensert wollen nach Stürzen im Riesenslalom Revanche, die Pisten-Crew hat über Nacht 600 Liter Salz gestreut, damit die Kanten bei Minus acht Grad noch beißen.

Eishockey-finale: usa gegen kanada ohne vorhang
16.05 Uhr Ortszeit, kein Lautsprecher tönt, bevor die Schläger klicken. Die beiden Giganten haben in dieser Edition 48 Tore geschossen, nur zwei kassiert. Das Statistik-Blatt lügt nicht: Kanadas Short-Hand-Quote liegt bei 94 %, die USA haben jedes zwehe Power-Play genutzt. Trotzdem ist das Match offener als je zuvor, weil beide Teams auf Sicht fahren – kein Coach wagt das Time-Out vor der Overtime.
Die Ukraine fehlt bei der Schlussfeier, doch die deutsche Delegation kommt. Das Curling-Stadion wird zur Disco: 300 Drohnen bilden das Paralympics-Logo, DJ Alizée spielt „We Are The Champions“ in Deep-House-Version. Für die Athleten ist das kein PR-Akt, sondern die letzte Atempause, bevor die Medaillen hart werden wie Eis.
Die Uhr tickt. Wer heute zögert, fliegt morgen leer aus Italien. Die deutsche Truppe hat noch vier Stunden, um Geschichte zu schreiben – und keine Absage mehr zu befürchten.
