Runjaic nach juve-schock: „wir haben alles gegeben, aber das reicht nicht“
Kosta Runjaic sprach mit schweißnasser Stirn und klingender Stimme. 0:1 gegen Juventus – die Udinese-Fans hatten sich mehr erhofft, der Trainer nicht. „Ich habe keine Sekunde bereut, wie wir aufgetreten sind“, sagte er nach Abpfiff. Doch hinter den Worten lauert die Erkenntnis: Selbst eine nahezu perfekte Leistung reicht gegen die Großen der Liga nicht.
Solet fehlt, bertola ausgeknockt – die defensive achillesferse
Runjaic zog die Personaldecke auseinander. Josip Solet ist „nicht bei 100 Prozent“, daher blieb er draußen. Daniele Bertola laboriert an einer Blessur, dafür rückte Christian Kabasele in die Zentrale – mit 34 Jahren spielt er gerade die Saison seines Lebens. Trotzdem: Nur drei fitte Innenverteidiger stehen zur Verfügung. „Wir haben Marko Mlacic aus Kroatien geholt, ein Rohdiamant, aber er braucht Zeit. Zweieinhalb Jahre, vielleicht drei“, sagt Runjaic und schickt damit eine Warnung an alle, die den 19-Jährigen sofort in die Startelf zerren wollen.
Die Zarraga-These war sein strategisches Zugpferd. Der Baskische Ballverteiler sollte Kenan Yildiz entschärfen – ein Kopf-an-Kopf-Duell, das in der ersten Hälfte tatsächlich funktionierte. Doch ein einziger Konter, ein einziger Kopfball von Ekkelenkamp, der nicht im Tor landete, sondern knapp vorbeistrich – das war die einzige Szene, die Runjaic nachträglich heraushält. „Wenn der reingeht, dreht sich das Spiel“, sagt er. Es klingt wie ein Mantra, das er sich selbst einlullt.

„Juve ist einfach stärker“ – das bittere fazit
Runjaic liebte es nie, sich hinter der Taktik zu verstecken. Als ihn ein Reporter fragte, ob er nicht mehr Mittelfeldspieler hätte aufstellen sollen, schnaubte er nur: „Was wollen Sie hören? Dreierkette? Doppelsechs? Gegen Juve braucht man auch ein bisschen Glück.“ Dann kam der Satz, der die Realität auf den Punkt bringt: „Die Wahrheit ist – Juventus ist stärker als wir.“
Die Zahlen sprechen für sich: 62 Prozent Ballbesitz für die Gäste, zwölf Schüsse aufs Tor, nur vier für Udinese. Die Stimmung im Stadion? Mehr Schwarz-Weiß als Weiß-Weiß. „Manchmal macht dieser Sport sich selbst zu schwer“, sagt Runjaic und klingt dabei wie ein Philosoph, der eben erst begriffen hat, dass der David gegen Goliath nur dann gewinnt, wenn Goliath einen schlechten Tag erwischt.
Die Saison ist noch lang, der Abstand zum rettenden Ufer beträgt fünf Punkte. Doch die Lektion von gestern Abend bleibt: Udinese kann sich noch so sehr strecken – ohne personelle Verstärkung und ohne Glück wird aus dem Kampf ums Mittelfeld kein Europacup-Traum. Runjaic wird weiterbasteln, weiter hoffen. Und die Fans? Die werden trotzdem singen – schließlich gehört die Leidenschaft zur DNA des Friauls, nicht die Tabellenposition.
