Letzter cl-spieltag: berlin fix, kielce zittert – paris um 39 tore auf schützenjagd

Die Champions-League-Gruppenphase schmeißt am Donnerstagabend die letzten Puzzlestücke auf den Tisch – und sieht aus wie ein Krimi mit drei offenen Enden. In Gruppe A könnte ein einzelnes Tor Industria Kielce auf Rang vier befördern oder Veszprém an der Tordifferenz ersticken. In Gruppe B wartet Paris Saint-Germain auf ein Wunder: 39 Treffer müssen sie aufholen, wollen sie noch den vierten Platz retten. Der Rest ist Mathematik pur.

Kielce reist mit koffer voller rechnungen

Kielce spielt beim Tabellenletzten Kolstad – eigentlich ein Freifahrtschein. Doch die Polen wissen: Gewinnen sie nur mit vier Toren, reicht selbst eine Niederlage von Veszprém gegen Aalborg nicht, wenn Nantes gleichzeitig in Berlin punktet. Die Direktvergleiche? Zwei Niederlagen gegen die Franzosen, ein Unentschieden gegen die Ungarn. Kurz: Jeder Treffer zählt dreifach. Trainer Talant Dujshebaev hat deshalb seine Sieben mit dem freien Wurf trainiert, bis die Netze qualmten.

Für Nantes wiederum lautet die Devise „sieg oder singt“ – und das ausgerechnet in der Hauptstadt. Die Füchse haben den Gruppensieg bereits sicher, doch ihr Coach Jaron Siewert verspricht: „Wir wollen die Serie ausbauen, nicht abschaffen.“ Das klingt nach B-Formation, ist aber A-Niveau-Psychologie. Denn Berlin will vor eigenem Publikum die weiße Weste behalten.

Paris braucht ein handball-wunder und den ballon d’or

Paris braucht ein handball-wunder und den ballon d’or

In Gruppe B ist die Lage klarer, aber deshalb nicht weniger brutal. GOG besiegt Zagreb erwartet 33:28, Szeged remisiert in letzter Sekunde 30:30 in Plock – und schon steht Paris mit dem Rücken zur Wand. Die Tordifferenz gegenüber Szeged: minus eins. Die gegenüber GOG: plus eins. Heißt: Ein Sieg gegen Pelister reicht nur für Platz vier, wenn Szeged gleichzeitig in Aalborg verliert. Verliert Paris, rutscht es auf Rang sechs – und muss in die Play-offs gegen Aalborg. Die franzische Presse spricht schon vom „39-Tore-Triathlon“. Denn genau so viel müsste PSG aufholen, sollte Szeged nur unentschieden spielen und die Tordifferenz kippt.

Barcelona wiederum kann den Gruppensieg noch abluchsen, muss aber auf eine Niederlage von GOG gegen Pelister hoffen. Die Rechnung: Sieg in Skopje plus GOG-Patzer – dann winkt Platz eins. Trainer Carlos Orteux lachte nach dem 26:24 gegen Kielce nur trocken: „Wir brauchen keine Raketenwissenschaft, nur zwei Spiele Glück.“

Play-offs: plock erwartet berlin, kielce droht paris-gau

Fest steht bereits das Play-off-Raster am 1./2. und 8./9. April. Orlen Wisla Plock bekommt es mit dem Sechsten aus Gruppe A zu tun – möglicherweise mit genau jenen Nantes, die heute noch in Berlin um den Einzug zittern. Der Sieger der Partie trifft im Viertelfinale auf die Füchse – und damit auf eine Truppe, die seit 17 Heimspielen in der Champions League ungeschlagen ist.

Kielce droht hingegen das Horror-Szenario: Platz vier bedeutet ein Duell mit dem Fünften aus Gruppe B – und das wäre bei einer Pleite von Paris tatsächlich PSG. Ein Wiedersehen mit Mikkel Hansen, Luc Steins und Co. Kurz: Das Turnier beginnt erst richtig, wenn die letzten Zahlen fallen. Um 20:45 Uhr ist Schicht im Schacht – und die Torkasse offen wie nie.