Leipzig kratzt an der rettung, minden beendet 13-spiel-fluch – der keller bebt

Ein Donnerstag, der den Abstiegskampf neu gemalt hat: Leipzig springt dank eines 30:29 gegen Erlangen vom letzten Tabellenplatz, Minden beendet nach 391 Tagen einen Siegstraum und Gummersbach dreht einen 12:19-Rückstand noch zum Remis. Der 30. Spieltag der Handball-Bundesliga liefert vorab schon mehr Drama als manche komplette Saison.

Leipzig nimmt bombac als rettungsanker

Die Arena am Cottaweg kochte. 4.510 Zuschauer sahen einen Dean Bombac, der mit acht Treffern und unzähligen Steilpässen die Erlanger Abwehr wie altes Papier zerriss. Die DHfK führte bereits zur Pause mit 17:13, baute den Vorsprung auf 27:21 aus – und musste dann doch noch zittern. Marek Nissen schleuderte die Gäste in nur acht Minuten auf einen Treffer heran, doch die Leipziger erstickten den Aufstand in letzter Sekunde. Die rote Laterne wandert erstmals seit Wochen nach Minden – ein psychologischer Schlag, der im Mai über Leben und Tod entscheiden könnte.

Mindens befreiungsschlag im derby

Mindens befreiungsschlag im derby

13 Niederlagen in Folge, 391 Tage ohne Erfolg – dann reist GWD in die Lipper Provinz und schlägt zu wie nach einem langen Winterschlaf. Die Zahlen sind ein Statement: 15:8 zur Pause, 32:28 am Ende, drei Rote Karten gegen Lemgo, nur 40 % Wurfquote bei den Hausherren. Lukas Korte verwandelt alle sieben Strafwürfe, Moritz Vorlicek trifft siebenmal aus dem Rückraum. Die Mindener Fans sangen sich heiser, die Spieler fielen sich nach dem Schlusspfiff in die Arme – und warfen einen Blick auf die Tabelle: zwei Punkte Vorsprung auf Leipzig, drei auf Eisenach. Der Knoten ist geplatzt, das Selbstvertrauen zurück.

Gummersbachs verrückte jagd

Gummersbachs verrückte jagd

12:19 zur Pause, Timo Vujovic hatte gerade einmal zwei Treffer auf dem Konto – dann drehte der VfL auf wie eine alte 500-PS-Karosse, die plötzlich Tritt fasst. Johannes Schluroff kehrte trotz Handverletzung zurück und erzielte neun Tage, Vujovic verwandelte in der Schlussphase jeden Siebenmeter. 96 Sekunden vor Ende lag Göppingen noch 27:29, doch ein Strafwurf, ein gestohlener Ball und ein Konter reichten zum 29:29. Die Schwalbe-Arena bebte, Göppingen schlug die Hände über dem Kopf zusammen – und Gummersbach holte einen Punkt, der im Saisonfinale vielleicht goldwert ist.

Löwen wachen im rennen um platz sieben auf

Löwen wachen im rennen um platz sieben auf

Während unten gezittert wird, kämpfen die Rhein-Neckar Löwen oben um Europa. Gegen Melsungen lief alles glatt: 16:10 zur Pause, 30:22 am Ende, Baijens und Thrastarson kombinieren sich durch die MT-Deckung wie durch ein Schlüsselloch. Der Abstand auf Rang sieben schmilzt auf zwei Punkte – und plötzlich träumen die Badener wieder vom European League-Ticket.

Der samstag wird zum letzten strohhalm

Der samstag wird zum letzten strohhalm

Bergischer HC und HSG Wetzlar müssen punkten, sonst rutscht der eine oder andere in den freien Fall. Hannover will sich mit einem Sieg in Wuppertal endgültig aus der Schlinge ziehen, Kiel reist mit Rückenwind nach Hessen – und weiß: nach dem 29:29 in Leipzig ist jeder weitere Patzer ein Geschenk an die Kellerkinder. Der 30. Spieltag ist noch lange nicht vorbei, aber die Weichen stellen sich jetzt – mit jedem Pfiff, mit jedem Wurf, mit jedem Herzschlag.