Lazio schockt serie a: 21-jähriger springt für verletzten provedel ein
Edoardo Motta träumt. In 72 Stunden wechselt er von der Tribüne ins Olimpico-Kasten, vom U21-Nationaltorwart zum Lazio-Held. Der 21-jährige Bieler muss am Montag gegen Sassuolo sein Debüt in der Serie A geben – weil Stammkeeper Ivan Provedel eine Schulter-OP braucht und für den Rest der Saison ausfällt.
Von der primavera-bank zum coppa-halbfinale
Sechs Monate Serie B bei Reggiana, davor Reserve hinter Francesco Bardi – mehr Erfahrung hatte Motta nicht, als der Klub ihn im Winter nach Rom holte. Nun steht er vor dem Derby am 17. Mai und dem Rückspiel der Coppa Italia gegen Atalanta am 22. April. «Ich bin hier, um zu lernen», sagt er, während seine Karriere plötzlich auf Turbo schaltet.
Die Zahlen lesen sich wie ein Lehrbuch-Sprung: 2023/24 noch in der Primavera 2, 2025 schon zwischen Immobile und Alberto. Mit 1,94 m und 90 kg wirkt Motta wie ein moderner Sweeper-Keeper, sagt sich selbst, er sei stark im Positionsspiel, schwach in der Ballbehandlung – und verbessert sich täglich mit Videoanalysen, die Torwarttrainer Fabio Ripert ihm auf den Laptop spielt.
Sein Vorbild: Petr Čech. Sein Problem: Keine Zeit. Weil Mandas im Januar abwanderte, rutschte Motta auf Platz eins. Weil Provedel beim Training umfiel, rutschte er in die Startelf. «Ich habe nicht nach der Lazio-Nummer 1 gefragt», sagt er, «aber wenn der Klub mich ruft, springe ich.

Die angst vor der olimpico-kurve
Rom ist kein Schützenfest. Die Curva Nord pfeift jeden Fehlpass, jeder Bogenlampe wird ein Lautsprecher. Motta kennt das vom TV, jetzt ist er der, der die Hand hochreißt, wenn nach 20 Minuten ein Schrei durchs Stadion geht. Sein Debüt wird live auf DAZN übertragen, die Quote dürfte in ganz Italien steigen – schließlich wollen alle sehen, ob ein Jungtorwart die Lazio-Saison rettet oder endgültig killt.
Die sportliche Lage: Lazio liegt siebt, vier Punkte hinter Bologna. Verliert die Biancocelesti am Montag, rutscht sie auf Platz neun. Dann ist Europapokal nur noch über den Pokal möglich – und der hängt an Mottas Fingerspitzen.
Seine größte Stärke: Er bleibt kalt. Auch im 1-gegen-1 hat er schon drei Siebener in der Jugend gehalten. Seine größte Schwäche: Er will zu viel. «Ich spiele gern mit, aber manchmal überschätze ich die Pässe», gibt er zu. Trainer Marco Baroni hat ihm eine klare Anweisung mitgegeben: «Erst sichern, dann schön.
Am Sonntagabend schließt Motta die Hoteltür ab, legt sich die Handschuhe neben das Bett und schaut aufs Handy. 47 ungelesene Nachrichten. Sein Vater schickt ein Foto: das alte Juve-Trikot mit «Motta 1» aus der U13. «Vergiss nicht, wo du herkommst», steht darunter. Er antwortet mit einem Daumen nach oben – und schläft trotzdem schlecht.
Montag, 20.45 Uhr, Olimpico. Wenn Sassuolo den ersten Eckball schlägt, wird 70.000 Menschen laut werden. Motta wird tief durchatmen, sich an die Linie stellen und an Čech denken. Kein Traum mehr, nur noch Arbeit. Die Lazio-Geschichte schreibt sich gerade neu – mit einem 21-Jährigen, der vor einem Jahr noch in der zweiten Jugendliga stand.
