Lausanne klaut servette den matchpuck – und jetzt droht genf das aus

Genf schwankt. Im fünften Playoff-Duell schlug Lausanne HC erstmals in der Arena von Servette zu, erkämpfte sich mit 3:2 den 3:2-Serienvorsprung – und schickt das Leman-Derby damit vorzeitig ins Wallis. Denn am Dienstag darf Lausanne auf heimischem Eis den Sack zumachen, während Genf plötzlich an der Kante steht.

Die nacht, in der servettes powerplay versagte

58 Schüsse feuerten die Genfer auf das Tor von Luca Hollenstein, 58 Mal verpuffte die Wut. Besonders bitter: Das eigene Powerplay blieb erstmals in der Serie ohne Treffer. „Wir haben alles reingeworfen, nur nicht den Puck“, sagte Tim Berni und klang dabei schon wie ein Mann, der die Scheidung einreicht. Die Lausanner wiederum nutzten ihre dritte Überzahl eiskalt – Jason Fuchs mit dem 2:1, die Vorentscheidung.

Doch die eigentliche Wende kam früher. Noch im ersten Drittel hielt Hollenstein einen Handgelenksschuss von Marco Miranda mit dem linken Pfannenrand, ein Reflex, der später als Save of the Night durch die Kanäle geisterte. „Ohne Luca steht es nach 20 Minuten 0:3“, sagte Fuchs. Stattdessen ging Lausanne mit 1:0 in die Kabine – und mit dem Selbstvertrauen eines Teams, das ahnt, dass der Zenit nicht mehr fern ist.

Genfs coach wechselt – aber nichts fruchtet

Genfs coach wechselt – aber nichts fruchtet

Patrick Emond hatte in der zweiten Pause seine Reihen umgestellt, stellte Berni vorne an den Bully und nahm den jungen Antonin Verre aus dem Lineup. Die Scheibe rollte trotzdem nach hinten. Genf dominierte die Zweikämpfe in der neutralen Zone, verlor aber jene vor dem eigenen Tor – und genau dort landete Derek Gentile der Abpraller zum 3:2. Die Arena verstummte, nur ein einzelner Lausanner Fan trommelte gegen die Plexiglaswand – wie ein Metronom, das den Countdown einleitet.

Die letzten 97 Sekunden spielte Servette ohne Keeper, doch Hollenstein blockierte den letzten Schuss mit dem Körper, ließ sich von drei Genfern aufreißen und lag noch lange nach dem Schlusspfiff auf dem Eis – als wolle er die Sekunden festhalten, die Genf jetzt fehlen.

Die serie verschiebt sich ins wallis – und mit ihr die macht

Die serie verschiebt sich ins wallis – und mit ihr die macht

Lausanne hat auswärts in dieser Serie dreimal gewonnen, ein Novum in der Klubgeschichte. „Wir sind das bessere Auswärtsteam, weil wir uns auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können: Abschirmen, Puck raus, schnelles Umschaltspiel“, sagt Fuchs. Die Statistik bestätigt es: Die Waadtländer haben in fünf Spielen nur sieben Strafen kassiert, Servette bereits 14. Disziplin ist kein Talent, sie ist eine Waffe – und Lausanne führt damit Krieg.

Für Genf bleibt nur die kalte Dusche der Erkenntnis: Wer 58 Schüsse abfeuert und trotzdem verliert, der hat nicht Pech, sondern ein Problem. Das Problem heißt Luca Hollenstein und heimst am Dienstag vielleicht schon den größten Coup der Lausanner Playoff-Geschichte ein.