Laurence stürzt seixas vom thron – itzulia entdeckt neue sterne

Basozelai war mehr als eine Zielgerade: Sie war ein Katalog menschlicher Grenzen. 12 % Steigung, Asphalt glühend, Sehne gegen Sehne – und am Ende stand Axel Laurence, 24, Weltmeister von 2021, mit leerem Blick und vollem Crescendo. Der INEOS-Sprinter ließ Igor Arrieta zwei Meter vor dem roten Flatterband ziehen, schob sich dann wie ein Messer zwischen den UAE-Routinier und den Tagessieg. 3,9 Sekunden später war die dritte Etappe entschieden, die Gelbe Jersey jedoch nicht.

Paul seixas bleibt in gelb – aber nur noch mit zittern

Der 21-jährige Franzose hatte die Vorsichtspflicht studiert: Gruppe halten, Berg abtauchen, Zeit laufen lassen. Funktionierte bis Kilometer 154. Dann spuckte das Roadbook Gefälle und Glut aus, und Seixas verlor sieben Sekunden auf Laurence. Führt noch, führt aber schon nicht mehr souverän. «Er trägt das Trikot wie ein nasses Handtuch», sagte ein Euskaltel-Mitarbeiter trocken. Die Gewissheit: Die Itzulia spricht morgen weiter Französisch – oder eben Basque.

Die Bühne war perfekt inszeniert: 90 Kilometer vor dem Ziel schnappten sich vierzehn Ausreißer endlich ihre Freiheit, darunter Haimar Lastra, 36, der älteste Wolf im Rudel. Die Geschwindigkeit: 47 km/h im Schnitt, weil niemand vorzeitig platzen wollte. Hinten schlängelte sich der Peloton wie ein bunter Drache durch die Industriebrachen von Vizcaya. Vorne schon fehlte Isaac del Toro: Der Mexikaner rutschte auf rissigem Belag weg, stemmte sich noch einmal aufs Rad, stieg dann ab – Hüfte zerschlagen, Itzulia vorbei.

Ein auto der streckenposten riss ion izagirre aus dem rennen

Ein auto der streckenposten riss ion izagirre aus dem rennen

Der Albtraum begann beim neutralisierten Start. Ein medizinischer Begleitwagen wendete, touchierte Ion Izagirre – Schulterblatt, Rippen, Traum. Soudal-Manager Jurgen Foré kochte: «Wir diskutieren über Sicherheit, schreiben Protokolle, und dann räumt unser eigenes Auto den Fahrer ab.» Izagirre flog ins Krankenhaus, die Itzulia verlor eine der letzten lokalen Leuchten. Die Straße, die danach ins Ziel führte, heißt parallel Doctor Landa – Ironie des Stadtkosmos.

Oben auf der Barrerilla (14 %) schraubte Max van der Lee das Tempo auf Schmerz, doch die Spitzengruppe blieb ein Flickenteppich. Laurence und Arrieta lösten sich erst auf Sarasola, letzte Rampe vor dem Ziel. Fünf Kilometer später schrumpfte ihr Vorsprung auf 50 Sekunden. Zaratamo war ein Schlaglochpoker: Wer zuviel gibt, kocht die Beine. Wer zuwenig gibt, schluckt Staub.

Die Antwort gab Laurence mit 350 Metern Sprint, 109 Herzschlägen pro Minute, kein Blick zurück. «Ich wusste, Arrieta ist clever, aber ich bin schneller», sagte er, das Gesicht geflammt von Salz und Sonne. Die Uhr stoppte bei 4:04:12 Stunden, die Zukunft bei einem Franzosen, der seine eigene Generation anführt.

Morgen geht’s nach Galdakao – Igor Antón hat die Strecke gezeichnet, 1.800 Höhenmeter, Finale auf Plateau. Dann Eibar, die Königsetappe. Und schließlich Bergara, wo 2022 Remco Evenepoel das Rennen drehte. Seixas trägt Gelb, Laurence trägt Schwung, die Itzulia trägt den Charakter eines offenen Kontos. Noch 48 Stunden, dann wissen wir, wer zahlt.