Laurence schlägt in basauri zu: itzulia dreht sich plötzlich um frankreich
Axel Laurence jagte sich in die Geschichtsbücher der Itzulia und sicherte sich mit einem perfekt dosierten Sprint den Etappensieg nach Basauri – ein Sieg, der mehr bedeutet als nur drei Sekunden Vorsprung auf Igor Arrieta.
Die rampe frisst hoffnungen
12 % Gefälle in der letzten 800 Meter, Asphalt glühend bei 27 Grad, ein Zielplakat, das fast senkrecht über der Straße baumelt – wer hier gewinnt, muss sich in die Kurve stürzen wie ein Stier, der den Matador riecht. Laurence tat genau das. Er ließ Arrieta zuerst springen, spürte dessen UAE-Trikot im Fahrtwind, schob sich dann mit 68 km/h nach links und spuckte die Rampe von Basozelai aus. «Ich wusste, dass Igor früh geht», sagte der Ineos-Profi später, «aber ich wusste auch, dass die Beine nach 160 Kilometern Vollgas noch ein zweites Mal zubeißen können.»
Die Zuschauer hinter den Barrieren sahen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das sich in Zeitlupe auflöste: Arrietas Schultern kippten nach vorn, Laurence’ Hüfte rollte durch, 34 Zähne gegen 36, ein Radumdrehung Vorsprung. Die Uhr stoppte bei 3:42:11 – Laurence’ erster WorldTour-Sieg, gemessen an einem Ort, an dem früher schon Igor Anton trainierte und dessen Namensvetter Landa einst die Hausnummer seines Kinderzimmers hatte.

Paul seixas trägt weiter gelb, spanien trägt die schuld
Während die französische Hymne über den Plaza de la Constitución schallt, bleibt die Itzulia trotzdem spanisch kompliziert: Paul Seixas, 22, aus Mont-de-Marsan, führt weiter die Gesamtwertung an, doch die Geschichte des Tages schrieb sich anders. Sie schrieb sich mit Blei. Denn kaum hatte das Rennen sich in Bewegung gesetzt, musste Carlos Rodríguez seinen Soudal-Teamwagen verlassen – rammiert von eben jenem medizinischen Begleitfahrzeug, das eigentlich Sicherheit garantieren soll.
Teammanager Jurgen Foré kochte: «Wir investieren Millionen in Aerodynamik, Ernährung, Datenauswertung, und dann räumt unseren Fahrer ein Arztauto ab. Das ist keine Ironie mehr, das ist Zynismus.» Rodríguez, bei vollem Bewusstsein, stieg aus, humpelte, schüttelte den Kopf. Röntgenbilder später: keine Fraktur, aber Prellungen, die beim Pedaltritt wie Messerstiche schmerzen. Foré fordert Konsequenzen von der UCI, die Rennleitung spricht von «bedauerlichem menschlichem Versagen». Der Baskenland-Rundfahrt fehlt damit ihr heimlicher Favorit – und der Rest des Feldes merkt: die Straße ist nicht nur steil, sie ist auch rachsüchtig.

Flucht bei 47 km/h – und ein sturz, der mexiko trifft
Was folgte, war eine Stunde Raserei. 47 Schnitt, weil keiner die Flucht wollte und doch alle sie wollten. Kein Radio, keine Ruhe – nur das monotone Surren von 160 Ketten, die sich durch die 14 % Rampen von Barrerilla fraßen. Dann endlich der Befreiungsschlag: 14 Mann weg, dazu später Euskaltel-Bizkarra und Lastra, 36 Jahre alt, ältester Mann im Ausreißerklub. Doch die Freude hielt 90 Kilometer, dann riss das Feld erneut – und riss Isaac del Toro mit sich.
Der Mexikaner touchierte ein Streckenhindernis, knallte aufs Kinn, stand auf, fuhr weiter, stieg ab, stieg wieder auf, schließlich blieb er stehen, lehnte sich an die Streckenbegrenzung, schrie in sein Handy: «No puedo.» Matxín, UAE-Sportdirektor, half ihm auf die Teambus-Treppe. Diagnose: Hüfte geprellt, rechtes Bein offene Wunde, Saisonziel Itzulia beendet. Die Statistik kennt keine Tränen: zwei Ausfälle, ein Sieg, unendlich viel Asphalt.
Französische woche im baskenland
Jetzt stehen noch drei Etappen an: Galdakao mit Igor Antóns Streckenbau, die Königsetappe nach Eibar, das Finale in Bergara. Laurence trägt das Grüne, Seixas das Gelb, und hinter beiden lauert ein Feld, das weiß: wer hier kapituliert, verliert nicht nur Sekunden – er verliert den Winter. Die Itzulia spricht plötzlich französisch, doch der Untergrund bleibt baskisch. Und der fragt nicht nach dem Pass, sondern danach, wer sich traut, die letzte Rampe mit 34 Zähnen statt mit 30 zu nehmen. Laurece hat es gewagt. Die Antwort steht auf dem Podest – und klingt wie ein Satz, den man in Bayonne genauso sagt wie in Bilbao: «Ventoux oder Basauri, am Ende zählt nur, wer zuletzt lacht.»
