Kwasniok zockt derby-trumpf: pflicht-sieg gegen gladbach oder abstiegs-alarm
Lukas Kwasniok schläft nicht. Nach dem 1:1 in Hamburg rechnet der 1. FC Köln-Coach durch: vier Punkte aus zwei Spielen, das wäre jetzt der Plan. Der Punkt am Samstag reicht nicht, das weiß er. „Jeder Punkt ist Gold wert“, sagt er, aber seine Stimme klingt, als hätte er lieber das ganze Schatzkistchen geholt.

Derby-modus an: gladbach kommt ins geißbockheim
Am Freitag gastiert Borussia Mönchengladbach im RheinEnergieStadion. Für Kwasniok ist das keine Fußball-Feier, sondern ein Sechs-Punkte-Spiel im Kampf gegen den Abstieg. Nach sechs sieglosen Partien droht der FC, sich in der roten Zone festzufahren. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz (St. Pauli) schmolz auf einen Zähler, vier Punkte trennen die Kölner noch vom direkten Keller. Die Mathematik ist gnadenlos – und der Trainer weiß es.
Das 1:3 im Hinspiel brennt noch. „Wir haben ein Ticken was gutzumachen“, sagt Kwasniok und klingt dabei wie ein Mann, der Rechnungen lieber sofort begleicht. Sein Wohnzimmer nennt er das Stadion, und in seinem Wohnzimmer will er gewinnen. Nicht für die Statistik, sondern für die Fans, für die Stimmung, für die eigene Seele. „Lieber 1:1 in Hamburg und drei Punkte gegen Gladbach“, sagt er. Die Rechnung ist simpel, die Erwartungshaltung riesig.
Die Mannschaft spürte gegen den HSV, dass sie spielen kann. Das 1:1 war kein Befreiungsschlag, aber ein Fingerzeig. Der Coach redet nicht vom „guten Auftritt“, er redet von „verdienten Punkten“. Dennoch: Der Druck steigt. Verliert der FC das Derby, rutscht er auf einen direkten Abstiegsplatz. Dann droht Kwasniok der nächste Sturm – und der kommt nicht nur von der linken Rheinseite.
Die Statistik spricht gegen Köln: Seit acht Heimspielen wartet der FC auf einen Dreier. Gladback hingegen reist mit Selbstvertrauen an, nachdem die Fohlen unter Gerhard Struber wieder Tritt gefunden haben. Jonas Omlin hält, Julian Weigl lenkt, Alassane Plea trifft. Kwasniok muss eine Antwort finden – und zwar eine, die nicht nur rhetorisch glänzt.
Im Training arbeitet er an zwei Dingen: der stabilen Abwehr und dem schnellen Umschalten. Florian Kainz soll die Gladbacher rechte Seite brandmarken, Dejan Ljubicic die Zweikämpfe dominieren. Die Innenverteidigung um Jeff Chabot darf sich keine Balleinladungen mehr leisten. Die Anweisung lautet: Risiko minimieren, Emotion maximieren.
Die Fans bereiten sich auf ein Fegefeuer vor. 50.000 in der Südkurve, dazu der Rest des Hauses. Die Choreografie steht, die Stimmbänder sind angerissen. Für sie ist das Derby mehr als drei Punkte – es ist ein Statement gegen die drohende zweite Liga. Kwasniok spürt das. „Wir wollen die Fans glücklich machen, uns selbst glücklich machen“, sagt er. Keine leere Phrase, sondern ein Versprechen, das sich in 90 Minuten in bare Münze verwandeln muss.
Am Freitagabend wird klar, ob der Plan aufgeht. Vier Punkte aus Hamburg und Köln – das wäre ein kleiner Befreiungsschlag. Bleibt nur einer, wird der Abstiegskampf zur Achterbahn. Kwasniok weiß: Am Ende zählt nur das Ergebnis. Und das steht nach dem Schlusspfiff in schwarz-weiß auf der Anzeigetafel – egal, wie laut das eigne Wohnzimmer vorher geschriehen hat.
