Wolff rettet kiel: flensburg-sieg weckt alte meister-dna
Andreas Wolff lächelt wieder. 14 Paraden, ein 37:33 gegen Flensburg, und plötzlich redet keiner mehr vom Saison-Aus. Der THW Kiel hat sein Nordderby zurückgeholt – und damit die Champions-League-Spur wieder sichtbar gemacht.
Der tag, an dem kiel sich selbst fand
25 Tage nach dem Pokal-Coup gegen die SG Flensburg-Handewitt lag auch in der Liga wieder ein Sieg gegen den Rivalen in der Luft. Doch diesmal war die Lage prekär: Gummersbach und Stuttgart hatte der Rekordmeister zuvor verschenkt, die Abwehr wirkte müde, die Kreise in der Presse lauter. Filip Jicha hatte „viel Druck gemacht“, wie Wolff nach dem Schlusspfiff zugab. Und genau diesen Druck verwandelten die Zebras in Tempo.
Die erste Hälfte war ein Katalog von Unnachgiebigkeit: Kiel erlaubte nur acht Flensburger Tore, stellte die Räume zu, ließ keine Lücken. hinten Wolff, vorne ein schnelles Umschaltspiel – so muss Handball in der Sparkassen-Arena aussehen. „Unsere letzten Bundesliga-Auftritte waren eine Unverschämtheit“, präzisierte der Nationaltorwart. Die Reaktion: 60 Minuten Konzentration, kein Ausrutscher.

Möller trifft, aber kiel hat die antwort parat
Emil Jakobsen und Sander Sagosen lieferten sich ein Tor-Duell mit Johannes Möller, der in Durchgang zwei einmal mehr bewies, warum er aktuell Europas heißeste Rechtsaußen ist. 14 Tage zuvor jagte er den THC ebenfalls mit Siebenmetern ins Verderben. Doch diesmal hatte Flensburg keine Antwort auf die defensive Wand, die Jicha umgestellt hatte. „Wir haben an ein paar Stellschrauben gedreht“, sagte Wolff. Die Rede ist von einer aggressiveren 5-1-Deckung und einer klaren Torgefahr über die Außen, die endlich wieder Lücken für den Kreis öffnete.
Das 37:33 bedeutet mehr als zwei Punkte. Es bedeutet, dass der THW innerhalb eines Monats drei Mal die SG besiegte – Pokal, Liga, Topspiel. Es bedeutet, dass die Qualität im Kader nicht verloren ging, sondern nur schlief. „Ich weiß, was die Jungs täglich abliefern“, sagte Wolff. Die Ansage: Selbstvertrauen statt Selbstzweifel.

Champions-league-platz? „wir sind dazu in der lage“
Die Tabelle lügt nicht: Mit 34:16 Punkten steht Kiel auf Rang fünf, zwei Zähler hinter Flensburg, vier hinter Spitzenreiter Magdeburg. Doch die Formkurve zeigt nach oben. „Wir haben Magdeburg geschlagen, wir haben Flensburg geschlagen – dreimal hintereinander“, listet Wolff auf. Seine Schlussfolgerung: „Wir sind in der Lage, die Topmannschaften zu besiegen. Jetzt müssen wir nur die Konstanz reinbringen.“
Die Auswärtsspiele in Göppingen und Leipzig kommen, das Top-Duell gegen Berlin folgt. Der Weltmeister von 2023 fordert keine Wunder, sondern Konstanz: „Wenn wir das bis zum Ende der Saison schaffen, bin ich überzeugt, dass wir noch einen Champions-League-Platz ergattern können.“ Klingt nach Analyse, nicht nach Wunschdenken.
Kiel atmet auf, die Fans singen wieder, und selbst die Kritiker verstummen für einen Abend. Die Meister-DNA ist angeknackst, aber nicht gebrochen. Der THW lebt – und Andreas Wolff ist der Mann, der ihn mit 14 Paraden wieder auferstehen ließ. Nächste Woche in Göppingen wird sich zeigen, ob der Befreiungsschlag nachhaltig ist. Die Zebras selbst glauben wieder daran. Und das ist die wichtigste Nachricht seit Wochen.
