Kuzminas abschied: gold weg, saison aus, karriere vorbei?
Anastasiya Kuzmina hat es in Oslo nicht einmal in die Top 40 geschafft. 49. Platz, 4:08 Minuten Rückstand – für eine Athletin, die einst Olympia-Sprint entschied, war das ein Debakel. Die 41-Jährige postete noch am Renntag ein Foto aus der Loipe, dazu den Satz: „Das ist das Ende.“ Kein „vielleicht“, kein „ich schaue mal“. Ein Punkt. Drei Mal Olympiasieg, drei Mal Gold, ein Mal WM-Titel – und jetzt dies: Rang 65 im Gesamtweltcup, keine Podestplätze seit ihrer Rückkehr 2023.
Die rückkehr wurde zur falle
2019 legte Kuzmina die Ski erstmal beiseite. Sie wollte Familie, Abstand, Normalität. Doch der Weltcup rief wieder. Sponsoren, Fans, das Adrenalin. Also meldete sie sich 2023 zurück – mit 38 Jahren. Die Slowakin schwamm gegen den Strom, aber die jungen Läuferinnen waren längst schneller. In 43 Rennen der beiden Saisons seit dem Comeback landete sie kein einziges Mal unter den besten Zehn. Die Statistik nagt an Legenden. Kuzmina musste zusehen, wie ihre eigene Bestmarke von 2014 über die 7,5 km in Sotschi inzwischen von fast jedem Weltcup-Team locker unterboten wird.
Was bleibt, ist das Bild von Oslo: Kuzmina nach dem Zieleinlauf, Atem rau, Blick leer. Die Kameras hatten sich längst der Siegerin Hanna Öberg zugewandt. Kurz danach verschwand Kuzmina in der Mixed-Zone, nur ein paar Sätze für die slowakischen Reporter: „Ich habe alles versucht, aber der Körper gibt mir Signale.“ Signale, die keinen Spielraum lassen. Keine Ankündigung, kein offizielles Statement – nur dieses Instagram-Posting. Agenten und Verband schweigen bislang. Doch wer die Zahlen kennt, weiß: Mehr als ein Abschiedsgruß ist das nicht.

Ein vermächtnis, das zeitzeugen bleibt
Kuzminas Palmarès liest sich wie ein Geschichtsbuch der Sportart: 2010 Sprint-Gold in Vancouver, 2014 wieder Sprint, 2018 der Massenstart in Pyeongchang. Dazu Silber und Bronze, dazu die WM-Krone 2019 in Östersund. Drei Olympia-Zyklen dominierte sie die Königsdisziplin. Ihre Technik war kühl, ihr Schießen ruhig, ihr Antritt explosiv. Als sie 2019 pausierte, glaubte man, ein Zeitalter zu beenden. Die zweite Karriere beweist nun: Manchmal ist das Ende eben doch erst der Anfang vom wirklichen Ende.
Für die TSV Pelkum Sportwelt heißt das: Wir verabschieden keine Statistikerin, sondern eine Ära. Die nächste Generation schaut auf Kuzminas Videos, analysiert ihren Rhythmus im Schießstand, ihren Wechsel auf der Matte. Trainer reden noch immer von „Kuzmina-Tempo“ als Codewort für präzisen Vollgas-Übergang. Ihre Rennen werden in Lehrbücher wandern, ihre Fehler in Oslo aber auch – als Mahnung, dass selbst größte Champions menschliche Taktlängen haben.
Ein letztes Detail bleibt: Kuzmina wird morgen in Bratislava ein Buch vorstellen – „Mein Weg, mein Ziel“. Die Verlagsankündigung datiert auf den 27. März 2026. Auf dem Cover hält sie drei Goldmedaillen in die Kamera. Vielleicht wird sie dort das Wort „Ende“ neu definieren. Bis dahin gilt: Kein Startpass für nächste Saison, kein Trainingsplan, keine Sponsorenverträge. Die Loipe in Oslo war die letzte Spur ihrer Ski. Die Zeit, die bleibt, ist die, die ihre Fans erzählen werden. Für Anastasiya Kuzmina zählt jetzt nur noch die, die hinter ihr liegt.
