Kudlacz-gloc erhält hbf-award: eine karriere, die nicht enden wollte
Stuttgart – 19 Jahre lang war sie die unterschätzte Konstante jeder Mannschaft, die sie trug. Jetzt, da der Abschied durch eine Insolvenz erzwungen wurde, bekommt Karolina Kudlacz-Gloc das, was ihr die Liga lange nicht gab: ein offizielles Danke. Der HBF-Award für ihre „herausragende Karriere“ kam – wie so vieles in ihrem Leben – ein bisschen zu spät, aber mit donnerndem Applaus.
Die zahl, die alles sagt: 197 länderspiele, null lautstärke
197 Mal lief sie für Polen auf, doch in deutschen Hallen wurde sie erst zum Mythos, weil sie nie laut wurde. Kudlacz-Gloc ist die Typus-Handballerin, deren Statistik sich erst beim zweiten Hinsehen entblättert: acht Pokalsiege, sieben Meistertitel, sieben Supercups – und das alles, nachdem sie 2006 als 21-Jährige eigentlich nur ein Studium in Leipzig abschließen wollte. Dass sie dabei blieb, lag nicht an der Liga, sondern an ihrer Fähigkeit, Krisen zu überleben. Zweimal Insolvenz, zweimal Schwangerschaft – immer dieselbe Frage: Weitermachen oder nach Krakau zurück? Sie blieb, weil sie hier ihren Rhythmus fand: Training um acht, Kind ab neun, Spiel am Wochenende.
Die Gala in Stuttgart war deshalb kein glamouröser Abend, sondern eine Art Nachholtermin. Andreas Thiel, HBF-Chef und ehemaliger Nationaltorwart, hob die Trophäe, als wäre sie schwerer als alle Pokale zusammen. „Sie konnte man zum Gewinnen gebrauchen“, sagte er – ein Satz, der bei Kudlacz-Gloc nie heißt: Sie war gut, weil sie nie lauthals gut sein wollte. Clara Woltering, die 2019 die gleiche Auszeichnung erhielt, sprach von „Wahnsinn-Fokus“, und man merkt ihr an, dass sie weiß, wie selten diese Spezies ist.
Die 41-Jährige selbst stand auf der Bühne wie ein Mensch, der plötzlich merkt, dass die eigene Lebensleistung doch jemand mitgeschrieben hat. „Mir wurde der Abschied geklaut“, sagte sie leise. Das klingt nach Klage, ist aber keine. Es ist die nüchterne Feststellung einer Frau, die gelernt hat, dass Leben kein Spielplan ist. Die Insolvenz von HB Ludwigsburg im Sommer 2025 war nur der letzte Beweis.

Die stunde danach: ein herz, das hier bleibt
Was bleibt, ist keine Trophäe im Regal, sondern ein Netzwerk. In Leipzig nennen sie sie noch heute „Karo“, in Buxtehude fragt man nach ihrem Schnellwurf-Training, und in der polnischen Kabine hängt ein Foto, auf dem sie 2007 mit kurzen Haaren den ersten Pokal hochreiht. Kudlacz-Gloc wird keine Trainerin, das hat sie schon vor Jahren abgelehnt. Stattdessen fährt sie künftig mit ihren Söhnen zu den Spielen und sitzt auf Tribünen, auf denen einst Gegner standen, die sie nicht stoppen konnten. Wenn sie dann gefragt wird, wie man 19 Jahre durchhält, antwortet sie mit einem Satz, der so bescheiden ist wie sie selbst: „Man muss nur öfter Ja sagen als Nein.“
Der HBF-Award ist kein Schlussstrich, sondern ein Stempel auf einem Paket, das längst unterwegs ist. Kudlacz-Gloc trägt ihn nach Hause – nach Krakau, wo alles begann, und wo jetzt zwei Jungs warten, die ihre Mutter nur von YouTube kennen. Die Videos laufen auf Repeat, und jedes Mal, wenn der Ball ihre Hand verlässt, schlägt das Herz der Zuschauer ein bisschen schneller. Das ist der einzige Applaus, den sie jemals gesucht hat.
