Krickau will aalborg-blamage nutzen und gruppensieg klar machen

Nicolej Krickau spürt den Pulsschlag seines Teams wieder. Nach dem 35:28 gegen die Rhein-Neckar Löwen spricht der Füchse-Coach von „Intensität, die wir endlich zurückgeholt haben“. Jetzt, sagt er, sei der Moment gekommen, „die Nase vorne zu behalten“ – und zwar mitten im Feindesland.

Erst anpfiff, dann pfiff: krickau erwartet krawall in aalborg

Am Mittwoch (18.45 Uhr/Dyn) geht es für Berlin im Jutland-Stadion um mehr als drei Punkte. Ein Sieg beim dänischen Meister Aalborg Handbold würde die Füchse mit vier Punkten Vorsprung auf Rang eins parken – und das Viertelfinal-Ticket mit Gruppensieg veredeln. „Wenn wir gewinnen, können wir die Gruppe zu machen“, sagt Krickau. Die Rechnung ist simpel: Berlin führt die Tabelle mit 8:2-Punkten, Aalborg folgt mit 7:3. Noch zwei Partien, aber nur eine mit Direktduell-Charakter.

Der 39-Jährige kennt die Atmosphäre. Drei Jahre war er bei GOG Odense, dem Erzrivalen der Aalborger, Chefcoach. „Ich weiß, dass ich schon vor dem Spiel ausgepfiffen werde. Das wird schön“, sagt er mit einem Schmunzeln, das zwischen Selbstironie und Kampfansage schwankt. Die dänischen Fans haben Langzeitgedächtnis – und Krickau hat sie mit zwei Meistertiteln auf der falschen Seite der Halbinsel verärgert.

Juri knorr ist brandbeschleuniger, nicht nur brandstifter

Juri knorr ist brandbeschleuniger, nicht nur brandstifter

Sportlich droht mehr als Buhrufe. Aalborg hat in der Gruppenphase nur eine Niederlage kassiert – gegen Berlin, 26:27 in der Max-Schmeling-Halle. Seitdem hat das Team um Nationalspieler Juri Knorr in der Champions League „reinen Tisch gemacht“, warnt Krickau. In der dänischen Liga steht Aalborg nach 18 Spielen bei 17 Siegen. Die Mannschaft sei „gar nicht zu vergleichen“ mit dem Stand von vor zwölf Monaten, betont der Coach. Neue Rückraum-Kraft, neue Abwehr-Varianten, neues Selbstvertrauen.

Für Berlin ist die Partie ein Stresstest mit Ansage. In der Bundesliga patzte der Tabellenzweite schon viermal – zu viel für Hanning. „Unsere Bonuspunkte haben wir verspielt. Im Moment ist verlieren verboten“, sagt der Manager. Die Lehren aus der Hinrunde: Selbst 8:0-Siege nützen wenig, wenn das Team in Woche drei und sieben die Punkte verschenkt. Die Konkurrenz um die Champions-League-Plätze schläft nicht: Flensburg, Magdeburg, Kiel warten mit geringerem Punkteabstand als je zuvor.

Krickau nimmt die Drohkulisse mit. Er will kein Schönwetter-Handball, er will einen Kader, der „Spiel für Spiel“ wächst. Gegen die Löwen habe er gesehen, „wie wir vorne wie hinten stabiler werden“. Die Abläufe seien schneller, die Zweikämpfe härter, die Körpersprache lauter. Nun soll das Tempo auch in Dänemark anhalten. „Wir haben den Rhythmus wiedergefunden. Den müssen wir jetzt gegen Aalborg unter Beweis stellen“, fordert er.

Die Füchse reisen ohne Druck, aber mit Anspruch. Das Viertelfinale ist gebucht, der Gruppensieg nicht. Krickau wird ausgepfiffen, Knorr wird auflaufen, Hanning wird an der Linie stehen. Am Ende zählt nur eine Frage: Schafft Berlin den Sprung auf Platz eins – oder darf Aalborg die Revanche feiern? Die Antwort fällt um 20.30 Uhr, wenn die Sirenen im Hafen von Aalborg den Abend einläuten und die Füchse sich auf den Heimflug Richtung Hauptstadt wappnen. Ein Punkt Vorsprung ist kein Polster, sondern ein Messer im Rücken. Darauf trinkt man in Berlin kein Carlsberg – man holt sich den Sieg und verschwindet lachend im Nachtflugzeug.