Kreuzband-riss, wadenbeinbruch, saison-aus: neckarsulm spielt in zwickau um ehre

Die Sport-Union Neckarsulm reist am Sonntag wie ein Feldkrankenhaus nach Sachsen. Fünf Spielerinnen fallen aus, zwei Karrieren sind auf Eis gelegt, der sechste Platz soll trotzdem festgenagelt werden. Die Hauptrunde endet in der Sparkasse-Arena mit einem Spiel, das längst zum Test der Nerven geworden ist.

Munia smits fällt weg, die stimmung kippt

Munia Smits, 26, Kapitänin, Linkshänderin, Herzstück. Letzten Samstag jubelte sie noch beim 38:28 gegen Metzingen, am Montag saß sie im MRT. Vorderes Kreuzband gerissen, Innenband, Meniskus – ein Befund, der selbst erfahrene Physios zusammenzucken lässt. „Das ist keine Verletzung, das ist ein Schicksalsschlag“, sagt Trainer Thomas Zeitz. Er spricht ruhig, aber seine Hände zittern beim Satzende. Noch während das Team die Nachricht verdaute, rutschte Angunn Gudmestad im Training aus. Wadenbeinbruch. Saison-Aus. Die dritte Norwegerin im Reha-Club. „Eine echte Scheiß-Woche“, sagt Zeitz. Er sagt es laut, damit niemand nachfragt.

Die Liste der Ausfälle liest sich wie ein Lehrbuch für Sportmediziner: Kamila Kordovska (Schulter), Lilli Holste (Knöchelbruch), Alessia Riner (Kreuzband). Die Bank ist länger als der Kader. Im Rückraum bleiben jetzt drei Gesunde, eine davon kommt aus der U23. „Wir trainieren mit Ersatzspielerinnen, die eigentlich Abi vorbereiten“, berichtet Zeitz. Er versucht, das Positive zu sehen: „Jung, unbekannt, unterschätzt – das kann uns retten.“

Zwickau wartet mit eigener misere

Zwickau wartet mit eigener misere

Der Gegner ist kein Geschenk. BSV Sachsen Zwickau hat in der Woche zuvor ein Remis geholt und das Tabellenende verlassen. Die Arena wird voll sein, 2.800 Fans, darunter 250 mit blau-weißen Fahnen aus Neckarsulm. „Die wollen sehen, ob wir noch laufen oder schon humpeln“, sagt Zeitz. Er hat die Mannschaft in drei Taktiken unterrichtet: Normales System, Notfall-System, Chaos-System. „Wir sind bei Variante zwei angelangt“, sagt er trocken.

Die Zahlen sprechen trotzdem für die Gäste. Neckarsulm gewann vier der letzten fünf Spiele, erzielte 201 Tore, kassierte nur 173. Zwickau steht auf Platz zehn, hat die zweitschlechteste Abwehr der Liga. „Theorie hin, Verletzungspech her – wenn wir heute gewinnen, ist Platz sechs fix“, sagt Zeitz. Punktgleich mit Oldenburg, nur das Torverhältnis trennt. „Ein Tor kann reichen, ein Treffer kann die Saison retten.“

Am Samstagabend schaut Zeitz noch einmal in die Kabine. Smits’ Trikot hängt leer an der Wand, Gudmestads Schiene liegt im Flur. Er schließt die Tür, geht nach vorn. „Wir spielen für die, die nicht mehr laufen können“, sagt er. Dann fährt der Bus Richtung Osten – mit 14 Spielerinnen, zwei Physiotherapeuten und einem Ziel: „Unsere Saison endet nicht in Tränen, sie endet mit Punkten.“