Kreuzband weg, traum auf eis: leonie zegg bricht im zielschrei zusammen

Ein einziger Sprung, ein dumpfer Knall – und die 21-jährige Vorarlbergerin liegt am Samstag in Val di Fassa am Boden, das Knie verdreht, die Schreie live in der ORF-Kamera. Leonie Zegg hat sich beim Weltcup-Super-G nicht nur die Kreuz- und Innenbänder gerissen, sondern auch ihre erste komplette Saison im Speed-Kader.

Die diagnose kommt per telefonmeldung ins pressetor

Noch während die ÖSV-Ärzte die Untersuchung im Rennzelt abschließen, sickert die Diagnose durch: vorderes Kreuzband, Innenband, Meniskus angerissen. Für eine Fahrerin, die erst im Dezember in St. Moritz ihren ersten Europacup-Sieg feierte und in Zauchensee als 30. erstmals Weltcuppunkte holte, bedeutet das einen harten Reset. Mindestens sechs Monate Out, Operation schon am Sonntag in Innsbruck.

Zegg selbst postet wenig später ein Foto aus der Reh-Abteilung: Schiene am Bein, Tränenspuren auf der Wange. „Ich dachte, ich wäre unzerbrechlich“, schreibt sie. „Diese Verletzung wird mir zeigen, woran ich noch arbeiten muss.“ Es klingt nach Selbst-Coachingspruch, aber dahinter steckt ein nüchterner Blick: Sie weiß, dass sie künftig nicht mehr in die Kurven „hineindriften“ darf, wie sie es nennt – zu viel Speed, zu wenig Druck auf die Außenkante.

Der fixplatz im weltcup rutsch ihr durch die lappen

Der fixplatz im weltcup rutsch ihr durch die lappen

Innerhalb von 48 Stunden verliert die Österreicherin nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch die Startberechtigung für die restlichen Saisonrennen. Die Ranglistenpunkte, die sie sich mit dem 30. Platz in Zauchensee erkämpfte, reichen nicht für eine gesicherte Nennung. Stattdessen rückt Emma Aicher nach, die im Super-G zwar wichtige Punkte verpasste, aber fit ist. Die Konkurrenz schläft nicht.

Für den ÖSV ist Zeggs Aus ein kleiner Erdbebenherd. Nach der Absage von Ramona Siebenhofer und der Formschwäche von Cornelia Hütter war Zegg die junge Wildcard, die den Speed-Pool frisch machen sollte. Jetzt verlängert sich die personelle Magerspitz in Österreichs Damen-Abteilung.

Comeback-ziel: saisonstart 2026/27 in sölden

Comeback-ziel: saisonstart 2026/27 in sölden

Reha-Chef Christian Hoser bestätigt: „Die Bandstruktur ist komplett durch, aber das Knie sonst sauber.“ Die Operation verläuft nach Plan, die ersten Krückengänge schon am Montag. Zegg will im Oktober wieder auf Ski stehen – wenn das Gletschertraining in Sölden beginnt, will sie dabei sein. „Es wird nicht mein letzter Weltcup“, schreibt sie. Der Satz klingt wie ein Schwur, den sie sich selbst abgenommen hat.

Die Saison war ihre erste richtige – und wird nun zur ersten großen Pause. Doch wer sie in St. Moritz fahren sah, weiß: Das Mädchen mit dem rasanten Line-Choice hat mehr Speed als die meisten. Wenn das Knie wieder hält, dürfte sie zurückkommen – und dann ohne Drift in die Kurve.