Kretzschmar und co. brennen erst im shoot-out auf – vietnam liefert schockstart
Zwei Meter feiner Split
statt Rasen, Salzluft statt Stadionbratwurst – und trotzdem kroch beim WM-Auftakt der deutschen Beachhandballerinnen in Poreč erst mal kaltes Wasser in die Adern. Vietnam, eigentlich nur als Sparringspartner gedacht, jagte Alexander Novakovic und seinen Titelverteidigerinnen einen Satz lang die Gänsehaut übern Sonnenschutz. Am Ende half nur noch der 7:4-Erfolg im Eins-gegen-Eins aus sieben Metern – und die Erfahrung von Lucie-Marie Kretzschmar, deren Vater Stefan einst mit ähnlicher Coolness Großspiele drehte.Vietnams turbo raubt den deutschen zwei sätze zeit
Erste Halbzeit, erster Satz: Die Asiatinnen sprinten, als gäbe es einen Rabatt auf jeden kontinent. 22:23 – die Zahlen auf der Anzeigetafel wirken wie ein Tippfehler. Deutschlands Abwehr wirkt mit den breiten Schatten der eigenen Erwartungen beschäftigt, statt mit den sprießenden Gegnerinnen. „Wir haben einfach verpennt, Tempo mitzugehen“, sagt Kretzschmar später, noch immer mit Sand in den Haaren.
Der zweite Satz räumt die Betonung. 30:18 – keine Diskussion. Die Weltmeisterinnen schalten einen Gang höher, Vietnam taumelt. Doch die Regel ist gnadenlos: Ohne 2:0-Sieg gibt es ein Shoot-out, und das kennt hier niemand aus der Bundesliga. Torhüterin gegen Torhüterin, Pass, Schritt, Wurf – und jede Kugel zählt doppelt, wenn sie mit Bravour über die Linie donnert.

Novakovic lobt die nervenklinik im sand
„Das war ein klassisches Auftaktmatch“, sagt Novakovic, nachdem das Pulver im Finaleinsatz schließlich doch trocken blieb. „Nervös gestartet, gezittert und dann eben umgedreht.“ Die Botschaft dahinter: Wer schon mal im Freiluftkessel kocht, kann die Hitze später besser dosieren. Die deutschen Schützinnen nutzen die Zwei-Punkte-Regel gnadenlos, halten die Nerven und schicken Vietnam mit Applaus nach Hause.
Jetzt heißt es Luft holen. Dienstagabend wartet Uruguay, Mittwoch früh die Niederlande. Drei Tage, drei Spiele – in diesem Tempo bleibt die Sonnencreme wenig Zeit zum Einziehen. Aber vielleicht ist das auch besser so. Zu viel Schutz kann trügen. Und wer schon mal im Sand stand, weiß: Ein bisschen Pech schmirgelt auch die Haut – und macht sie reifer für die nächste Welle.
