Krebs-schock um sverre olsbu röiseland: der frauen-trainer ringt mit dem schicksal
Sverre Olsbu Röiseland wollte nach Olympia nur eins: durchatmen. Stattdessen bekam der 35-jährige norwegische Trainer der deutschen Biathlon-Damen die Nachricht, die jeden Sportler aus der Bahn wirft: Hodenkrebs. Die Diagnose folgte auf dem direkten Weg von Peking nach Hause – und riss ein Loch in den kalender, den er für Familienzeit reserviert hatte.
Die operation kam binnen tagen
In Norwegen arbeitet das Gesundheitssystem mit Taktgefühl. Innerhalb von 72 Stunden lag Röiseland auf dem OP-Tisch, die Tumor-Entfernung verlief glatt, Metastasen sucht man vergeblich. „Die schlimmste Nachricht meines Lebens“ nannte er den Befund auf Instagram, doch das Foto aus dem Krankenbett zeigt den Daumen nach oben – ein Symbol, das im Skizirkus für „Rennfertig“ steht.
Der Zeitplan ist eng. Am Donnerstag startet in Otepää der Weltcup, eine Woche später fällt im Osloer Holmenkollen der Saison-Vorhang. Röiseland will dabei sein, wenn auch mit reduziertem Pensum. „Etwas angeschlagen, aber bereit für den Einsatz“, twitterte er – und löste unter Athletinnen wie Franziska Preuß eine Welle der Erleichterung aus. Die ehemalige Weltmeisterin gilt als seine enge Vertraute; sie war es, die ihn 2022 nach Oberhof holte.

Sein appell trifft mitten in die saison
Röiseland nutzt die Öffentlichkeit, um einen Befehl zu formulieren: „Geht zur Vorsorgeuntersuchung!“ Die Quote bei Männern zwischen 20 und 40 liegt in Deutschland bei mageren 14 Prozent – ein Skandal, den der Norweger mit eigener Haut spürt. Die Heilungschancen bei früh entdecktem Hodenkrebs liegen bei über 95 Prozent, doch der Untersuchungstermin wird gern auf „nach der Saison“ verschoben.
Für den Deutschen Skiverband ist der Coach mehr als Taktik-Gehirn. Er gilt als Mental-Reset-Knopf des Teams, das nach der desaströsen Mixed-Staffel in Peking wieder Boden unter den Latten braucht. Cheftrainer Kristian Mehringer muss nun kurzfristig umbauen, doch die Athletinnen wissen: Der Mann, der sie durch Windböen und Herzschmerren geführt hat, wird zurückkommen – mit weniger Haaren auf der Brust, aber mit derselben Entschlossenheit.
Die Saison ist noch nicht vorbei, und schon jetzt steht fest: Die größte Medaille gewinnt Sverre Olsbu Röiseland außerhalb der Strecke. Seine Geschichte ist die Erinnerung daran, dass selbst Hochleistungssportler nicht immun sind – aber rechtzeitig handeln können. Wer jetzt noch zögert, den Arzttermin zu vereinbaren, verpasst nicht nur ein Rennen, sondern vielleicht das ganze Leben.
