Kramer räumt cuisance-irrtum ein: ‚ich sah ihn beim weltfußballer dabei‘
„Ich habe mich bei zwei Spielern richtig doll vertan.“ Mit diesem Satz zieht Christoph Kramer den Stecker aus jahrelanger Selbstvermarktung als hellsichtiger Talente-Entdecker. Der Weltmeister von 2014 liefert sich im „Copa TS“-Podcast ein Eigentor, das längst nachhallt – denn eine der beiden Fehlprognosen trägt Namen: Michael Cuisance.
Der Franzose, einst mit 19 Jahren zum „Spieler der Saison“ bei Borussia Mönchengladbach gekürt, war für Kramer der zukünftige Ballon-d’Or-Kandidat. „Ich dachte wirklich – jetzt übertrieben gesagt –, dass der irgendwann mal um den Weltfußballer mitspielt“, so Kramer. Stattdessen spielt Cuisance heute in der 2. Liga für Hertha BSC. Ein Absturz, der selbst eingefleischte Gladbacher noch heute schaudern lässt.
Die zweite saison, die alles kaputtmachte
Was passierte? Kramer liefert eine Erklärung, die so einfach ist wie brisant: Cuisance baute sich im Kraftraum zwei, drei Kilo Muskeln auf – und verlor dabei seine Magie. „Dann hast du vielleicht einen anderen Körperschwerpunkt, das ist ein anderes Spiel und dann ein ganz anderer Spieler“, sagt Kramer. Die Geschmeidigkeit, die einst Zuschauer und Experten gleichermaßen hypnotisierte, war weg. Ein Detail, das Karrieren entscheidet.
Der Franzose selbst war damals von Ehrgeiz getrieben. Mehr Minuten, mehr Power, mehr Durchschlagskraft. Doch genau dieser Wille wurde zur Falle. Kramer: „Man kann ihm eigentlich nichts vorwerfen, weil er wollte, wollte, wollte. Aber ich glaube, dass er das Falsche gemacht hat.“

Von gladbach über bayern bis hertha – eine odyssee im niemandsland
Nach der Gladbach-Zeit folgte der Wechsel zum FC Bayern, kurz darauf Leihen nach Marseille, Venedig, Genua – immer mit dem Anspruch, endlich durchzustarten. Doch statt Durchbruch kam Stagnation. Seit Sommer 2024 trägt Cuisance das Hertha-Trikot, wurde dort aber bisher kein Leistungsträger. Statistiken zeigen: 17 Zweitliga-Einsätze, kein Tor, keine Vorlage. Die Zahlen sprechen eine Sprache, die selbst Optimisten verstummen lässt.
Für Kramer ein persönlicher Schlag ins Gesicht. „Jetzt ist er gestandener Zweitligaspieler. Von seinem Potenzial finde ich es trotzdem nicht gut, muss ich ehrlich sagen. Da hätte ich deutlich mehr erwartet.“

Die lehre: ein gramm zu viel kann reichen
Die Geschichte ist mehr als ein Anekdoten-Futter für Podcast-Hörer. Sie ist ein warnendes Beispiel für alle Talente, die sich in Fitnessstudios verlieren. Ein Gramm zu viel Muskelmasse, ein Zentimeter versetzter Schwerpunkt – und schon rutscht man von der Weltklasse-Bühne in die Bedeutungslosigkeit. Kramer formuliert es so: „Gerade bei jungen Spielern reicht eine ganz, ganz, ganz kleine Kleinigkeit, dass in einer Karriere zwischen Weltfußballer und gutem Zweitligaspieler bei Hertha alles drin ist.“
Die Botschaft ist klar: Wer sich verändert, um besser zu werden, kann auch scheitern. Cuisance ist der lebende Beweis. Und Kramer? Der steht jetzt da, ohne Glaskugel, aber mit ehrlichem Geständnis. Manchmal reicht ein Kilo, um eine Karriere zu versenken.
