Kovac schüttelt den kopf: beiers wm-snub wird zur waffe gegen nagelsmann
Ein Torjubel, zwei Elfmeter provoziert, drei Punkte – und trotzdem kein Ticket nach Basel. Maximilian Beier lief am Samstag dem Hamburger SV davon, aber nicht in den Kader von Julian Nagelsmann. Niko Kovac blieb nach dem 3:2-Sieg nur die Bewunderung für seinen Stürmer – und ein Seitenhieb auf den Bundestrainer.
Der bvb-coach spricht, der dfb-coach schweigt
„Ich hätte ihn mitgenommen“, sagt Kovac, noch ehe er die Frage zu Ende gehört hat. Der Satz klingt wie ein Rundumschlag gegen die DFB-Logik. Sein Blick wandert kurz zur Tribüne, wo Beier gerade seine Tochter hochhebt, ungewollt das Symbolbild eines Spielers, der zur WM fahren will, aber nicht darf. 23 Jahre, sieben Länderspiele, null Erklärung.
Kovac zählt nicht mit Fingern, er schlägt mit der Faust auf den Tisch: „Viele, viele Gründe sprechen dafür, sehr viel mehr als dagegen.“ Die Zahlen sprechen tatsächlich: Fünf Tore in den letzten sieben Pflichtspielen, 32 Sprints gegen den HSV, davon sechs in den entscheidenden Minuten zwischen der 78. und 89. Minute, als der BVB noch 0:2 hinten lag. Beier war nicht nur Motor, er war Schmiere und Zündstoff zugleich.

Nagelsmanns roulette: alles neu, alles offen
Julian Nagelsmann erklärte den Ausschluss mit „frischen Kräften“ und „einem neuen Kern“. Der Satz klingt auf dem Papier nach Strategie, auf dem Platz nach Risiko. Denn während Beier zu Hause bleibt, reisen mit Felix Nmecha und Waldemar Anton zwei Dortmunder, die zuletzt öfter auf der Bank saßen als auf dem Rasen. Die Botschaft: Leistung zählt – aber nur, wenn sie ins Konzept passt.
Kovac schmunzelt, als er das hört. „Das ist heute noch keine WM-Nominierung“, sagt er und wiederholt damit Nagelsmanns Satz, den der DFB-Coach selbst als Beruhigungspille formulierte. „Aber es ist auch keine Garantie für Comebacks.“ Die Ironie: Beiers letztes Länderspiel liegt fünf Monate zurück, sein letztes Tor gegen Bayern nur fünf Tage.

Die stunde der wahrheit kommt im juni
Kovac gibt sich kämpferisch: „Ich glaube fest daran, dass er zur WM fährt. Denn so etwas brauchen wir bei einer WM – Spieler, die heißlaufen, wenn andere schon glühen.“ Die WM-Endrunde rückt näher, mit jedem Spiel wird der Kreis kleiner. Wer jetzt fehlt, muss im Sommer eine Explosion zünden. Beier hat den Zünder schon gelegt: zwei Elfmeter herausgeholt, ein Sieg erzwungen, ein Statement gesetzt.
Nagelsmann hat bis zum 1. Juni Zeit, seine 26 Namen einzureichen. Kovac hat bis dahin 13 Bundesligaspiele, um dem DFB die Entscheidung abzunehmen. Beier selbst? Der schiebt das Trikot seiner Tochter über den Kopf, lächelt in die Kameras und sagt kein Wort. Er muss nicht mehr sprechen. Seine Laufbahn wirkt lauter als jede Pressekonferenz.
Am 27. März steht Basel auf dem Programm, drei Tage später Stuttgart. Beier wird vor dem Fernseher sitzen – oder auf der Bank. Aber wenn der Sommer kommt, wird er entweder der Beweis für Nagelsmanns Weitsicht sein – oder dessen größter Fehler. Kovac jedenfalls wetteifert nicht mehr mit Worten, sondern mit Taten. „Wir werden ihn so lange pushen, bis er nicht mehr wegzudenken ist.“ Die Uhr tickt. Und Beier läuft.
