Kovac schlägt die hände über dem kopf zusammen: cans kreuzband ist weg

Niko Kovac brauchte zwei Atemzüge, bis seine Stimme wieder ging. „Das ist für uns eine Hiobsbotschaft“, sagte er 42 Minuten nach Schlusspfiff des Klassikers, und man hörte, wie sehr er sich die Worte herausriss. Emre Can wird ausfallen, lange. Der BVB-Kapitän zog sich eine vordere Kreuzbandruptur im linken Knie zu, bestätigte der Coach auf der Pressekonferenz von Samstagabend. Der 2:3-Sieg gegen Bayern war Sekunden später Makulatur.

Die diagnose, die den gesamten plan sprengt

Can war in der 78. Minute bei einem Zweikampf mit Konrad Laimer hängen geblieben, das Knie drehte sich leicht nach innen, der Deutsche ging sofort zu Boden. Er schlug mit der Faust auf den Rasen, wusste offenbar sofort, dass er nicht weitermachen konnte. Die ersten Untersuchungen im Münchner Leistungszentrum ergaben eine komplette Ruptur, nun droht eine Pause von mindestens sieben Monaten. Die Saison ist für ihn gelaufen, die EM 2026 sowieso.

Für den BVB ist das mehr als ein personeller Engpass. Can ist nicht nur Sechser – er ist der lautstarke Kommunikator, der die Bank und das Feld verbindet. Seine Statistik in dieser Saison: 33 Pflichtspiele, 85 Prozent Passquote, 189 gewonnene Zweikämpfe. Zahlen, die sich nicht einfach ersetzen lassen. „Er ist unser emotionaler Anker“, sagte Sportdirektor Sebastian Kehl, der nach der Partie noch mit nach München in die Klinik fuhr. „Wir haben zwar Qualität im Kader, aber Emre ist Emre.“

So könnte kovac umbauen – und warum er keine wahl hat

So könnte kovac umbauen – und warum er keine wahl hat

Die interne Lösung heißt Salih Özcan. Der 26-Jährige war zuletzt Joker, lief 312 Minuten. Nun könnte er von heute auf morgen zur Dauerlösung werden. Kovac liebte Özcans vertikale Pässe schon in Frankfurt, aber Zweikampfstärke und Spielführung fehlen noch. Alternativ würde Jude Bellingham ins defensive Mittelfeld zurückrutschen – doch dann fehlt dessen Vorwärtsimpuls. Eine dritte Variante: 3-5-2 mit Can-Imitat Felix Nmecha, der sich jedoch gerade erst von einer Sprunggelenksblessur erholt.

Die Kaderplaner haben den 29. Mai im Kopf – dann schließt die Transferperiode. Ein Sechser, sofort einsatzbereit, wäre wünschenswert. Namen? Florian Grillitsch (Hoffenheim, Vertrag läuft aus) oder Manu Koné (Gladbach, 35 Mio. Klausel) sind auf der Liste. Doch Geld ist knapp nach der Verpflichtung von Randal Kolo Muani für geschätzte 65 Millionen Euro. Die Bosse müssen priorisieren: kurzfristige Hilfe oder langfristige Investition?

Borussia Dortmund hat am Freitag (15.30 Uhr) in Freiburg die Chance, die Tabellenführung auszubauen. Can wird fehlen – und mit ihm die Stimme, die sonst den Gegner schon im Tunnel nervt. Kovac wird improvisieren müssen, wieder einmal. Seine einzige Trophäe: Der Sieg gegen Bayern bewies, dass der BVB auch ohne seinen Kapitän Tore schießt. Die Frage ist nur: wie lange noch?