Kotterns achterbahn: vom horrorstart zur ostern-offensive

Der TSV Kottern war schon so gut wie unten. Zehn Spieltag, fünf Punkte, Trainer raus. Dann kam Andreas Maier, machte dicht hinten und kassierte seitdem nur noch ein Gegentor pro Partie. Drei Monate später, an Ostern, fegte der Tabellenletzte mit 4:0 über den Ex-Regionalligisten Schalding-Heining hinweg – und die Relegationsplätze sind plötzlich nur noch drei Zähler entfernt.

Vom katastrophenwinter zur kreuz-auswoche

Die Bilanz bis Weihnachten liest sich wie ein Lehrbuch für Abstiegsangst: 16 Gegentore in vier Partien, Martin Dausch musste gehen. Maier, 42, B-Lizenz, ehemals Regionalliga, übernahm eine Mannschaft, die „nicht mehr wusste, wie Fußball geht“, wie er selbst sagt. Er verordnete ihr ein 4-1-4-1 der Stabilität, stellte den Kapitän Matthias Jocham ins defensive Mittelfeld und ließ die Außen fast bis zur Mittellinie zurückfallen. Die Fans beschwerten sich über „Anti-Fußball“, aber die Punkte kamen – und die Nerven beruhigten sich.

Dann der Winter. Schultereckgelenksprengung bei Simon Ruß, Bänderriss bei Maximilian Böck, Muskelbündelriss bei Tim Strobl. „Mitunter nur acht Feldspieler vom Profikader auf dem Platz“, erinnert sich Maier. Training hielt nur dank Zweiter und A-Jugend. Die Kurve zeigte wieder nach unten: drei Pleiten, 0:9 Tore, zehn Punkte Rückstand aufs rettende Ufer. „Da haben wir intern klare Worte gesprochen – und zwar ohne Beschönigung“, sagt der Coach.

Ostern: das 90-minuten-comeback

Ostern: das 90-minuten-comeback

Am Montag nach Ostern platzte der Knoten. Schalding-Heining kam als Tabellenzweiter, mit 61 Toren, mit Selbstvertrauen. Kottern spielte wie entfesselt: hohes Pressing, Sechser-Kette im Ballbesitz, Jocham als zusätzlicher Libero. Nach 23 Minuten lag’s 2:0, zur Pause 3:0, am Ende 4:0 – und das trotz zweier vergebener Elfmeter. „Wir haben den Gegner an die Wand gespielt, weil wir endlich wieder zehn gesunde Feldspieler hatten“, lacht Maier, der sich selbst bei jedem Tor die Fäuste in die Luft riss.

Die Tabelle jetzt: Platz 15, nur drei Punkte hinter Ismaning, die Relegation greifbar. Noch fünf Spiele, darunter das direkte Duell in zwei Wochen. „Wir müssen die achterbahn jetzt auf der Bergfahrt lassen“, fordert der Trainer. Die Fans haben wieder Karten bestellt, die Uhr tickt, das Adrenalin ist zurück. Kottern spielt nicht mehr gegen den Abstieg – Kottern spielt plötzlich für das Weiterkommen. Wer hätte das nach dem 0:3 in Kirchanschöring noch gedacht?